Abzocke in Ticketbörsen: Wuchergeschäfte mit Rolf Zuckowskis Elphi-Konzerten

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Miese Geschäftemacherei mit den Kinderkonzerten von Rolf Zuckowski in der Elbphilharmonie! Bei ebay werden in der Ticketbörse Wucherpreise für die ausverkauften Auftritte des Hamburger Liedermachers am Sonntag (12.30 und 17 Uhr) aufgerufen. Die MOPO begab sich auf Spurensuche.

Etwas Skrupellosigkeit gefällig? In der Ticketbörse von ebay-Kleinanzeigen wird man bedient. Dort leitet ein Verkäufer aus Plettenberg (NRW) sein erhofftes Wuchergeschäft mit herzerwärmenden Worten ein: „Wer ist nicht mit Rolf Zuckowski‘s Liedern groß geworden? Erfüllen Sie sich und Ihren Kindern den Traum eines weihnachtlichen Konzerts in einer Traumkulisse.“ Auf dem beigefügten Foto sind sechs Eintrittskarten für „Advent im Elbkinderland“ zu sehen, auf jeder einzelnen ist der Originalpreis von 30,50 Euro eindeutig zu erkennen.

Nur: Für die „Traumerfüllung“ in der Elphi muss weit tiefer in die Tasche gegriffen werden. 75 Euro sollen es bitteschön sein – „der Preis versteht sich pro Ticket“ heißt es noch eilig. Wenige Wochen vor Weihnachten werden mit dem bekanntesten deutschen Komponisten von Kinderliedern miese Geschäfte gemacht. Zuckowski mochte sich auf Anfrage der MOPO zu den Auswüchsen auf dem Ticketmarkt nicht äußern. Seine Pressesprecherin Miriam Willer verwies darauf, dass er vor wenigen Wochen auf „Facebook“ in den Kommentaren die Geschäftemacherei mit den Tickets verurteilt habe.

Entsetzen beim Veranstalter

Wesentlich deutlicher wird da Bianca Zupke aus Allermöhe. „Ich finde es eine Frechheit, die Karten aufzukaufen und zu Wucherpreisen weiter zu verkaufen“, schreibt sie in in Ihrer Anzeige. Auf Nachfrage der MOPO wird sie per E-Mail noch konkreter: „Es werden dort keine Karten zum Originalpreis verkauft. Die meisten sind noch so dreist und schreiben dabei, dass es Karten zum Einheitspreis von 30,50 Euro sind und verlangen trotzdem bis zu 200 Euro pro Karte. Die meisten verkaufen teilweise sechs Karten.“ Das sei „einfach eine Unverschämtheit“.

Drei der dreistesten Verkäufer hat die MOPO angeschrieben und Ihnen die Frage gestellt, wie sie ihre Geschäftspraktiken bei einem Konzert für Kinder mit ihrem Gewissen in Einklang bringen könnten. Ein Anbieter aus München hat geantwortet. Seinen Namen hat er nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Er schreibt: „Ich habe selbst 185 Euro bei Viagogo (inkl. Gebühren) bezahlt in dem Glauben, dass der Viagogo-Preis ungefähr dem wahren Verkaufspreis entspricht.“ Er sei da „ein ziemlicher Depp“ gewesen. „Die Gebühren von Viagogo (55 Euro) wurden/werden so gut wie möglich vertuscht.“

Das sei die eigentliche Story, „nicht bei einem bayerischen Idioten wie mir, der versucht, seinen Schaden so gering wie möglich zu halten.“ Auf den Verweis, dass er moralisch nicht viel besser handele, entgegnete er: „Es hat doch niemand einen Schaden, wenn er sich die Karten nicht leisten kann. Vielleicht verstehe ich auch den Hintergrund des Konzerts falsch, aber zu versuchen, den eigenen Schaden zu minimieren, halte ich nicht für moralisch verwerflich.“

Beim Veranstalter der Zuckowski-Konzerte, Elbkinderland e.V.,  herrscht dagegen „totales Entsetzen“ über die Abzocke in den Ticketbörsen, wie die Vorsitzende Anke Krusche betont. „In meinen Augen ist das eine Straftat. Das sind Konzerte für Kinder – und dann gibt es eine solche kriminelle Energie bei einigen. So etwas darf man nicht machen“, sagte Krusche. „Wir haben das relativ schnell beobachtet und recherchiert, was man da machen könne. Aber ich bin da auch ein Laie.“

Deutlich weiter sind da der HSV und der FC St. Pauli. Beide Fußballvereine gehen gegen Schwarzmarkthändler vor. Unter anderem anhand des Barcodes und der Sitzplatz-Zuordnung auf der Eintrittskarte lässt sich der Käufer zurückverfolgen und dann rechtlich belangen. Das wäre auch im Fall der Elphi-Konzerte von Rolf Zuckowski möglich. Da geht es dann auch um den Willen.