Anne-Sophie Mutter : Mit der Geige Kinder vor dem Hungertod retten

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Es ist ein stilles Sterben, unbeachtet von der lauten Welt: Im Jemen, diesem isolierten Land an der Spitze der arabischen Halbinsel, droht  eine ganze Generation von Kindern zu verhungern. Einer der größten Klassikstars der Welt, Geigerin Anne-Sophie Mutter (55), lenkte nun  mit zwei Benefizkonzerten in der Elbphilharmonie den Blick ihres Publikums  auf diese vergessene Katastrophe unserer Zeit.

Rund 85.000 Kinder unter fünf Jahren sind seit Ausbruch des Bürgerkrieges 2015 im Jemen verhungert: „Das ist 40 Mal die ausverkaufte Elbphilharmonie“, rechnet Anne-Sophie Mutter vor. Es ist zu spüren, wie nahe ihr diese unfassbare Zahl toter Kinder geht.

Seit 30 Jahren unterstützt die Künstlerin „Save the Children“, eine Hilfsorganisation, die nach dem ersten Weltkrieg gegründet wurde und heute als eine der letzten Organisationen vor Ort im Jemen ist und Kinder vor dem Verhungern rettet.

Bevor sie am 11. und am 18. Mai die Geige anlegte und zusammen mit dem Kammerorchester Wien-Berlin in drei Violinkonzerte von Mozart eintauchte, sprach Anne-Sophie Mutter zu ihrem Publikum im Großen Saal der Elbphilharmonie, schilderte eine Welt, die so ganz anders ist als die der Klassikliebhaber. Eine Welt, in der es nicht darum geht, dass Kinder ihre Talente entfalten, sondern darum, nicht den Hungertod zu sterben.

Spagat zwischen Mozart und hungernden Kindern

Ist das kein Spagat, zwischen Mozart und hungernden Kindern? Nein, sagt die Künstlerin:  „Wenn ich in die Gesichter des Publikums blicke, sehe ich, dass wir das Entsetzen über das, was im Jemen passiert, teilen. In einem Konzert ist man auf Empfang geschaltet, die Musik macht empfänglich, durchlässig. Ich bin sicher, das bewirkt etwas.“

Mit den Spenden aus den Benefizkonzerten versucht „Save the Children“, Spezialnahrung für Kinder in das abgeschottete Land zu bringen, richtet mobile medizinische Teams ein, die sich um verstümmelte Kinder nach Bombenangriffen kümmern, bietet in Lernzentren ein paar Stunden Normalität.

Wie schwer es ist, zu helfen, hat Susanna Krüger, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland, erlebt: „An vielen Straßen stehen Kindersoldaten und verlangen Wegezoll von den Helfern.“ Weil kein Flüchtling das abgeriegelte Land verlassen kann, campieren die Menschen in Zelten am Straßenrand.

Anne-Sophie Mutter würde gerne noch mehr leisten, als Geld zu sammeln.  In ihrem konzertfreien Jahr 2020/21 würde der Weltstar die Arbeit von Save the Children gerne vor Ort unterstützen: „Vielleicht sogar mit meiner Geige. Auch Musik kann einen Schutzraum schaffen.“

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