Autonome Busse, Parkplatzsensoren & Co: So sieht Hamburgs Verkehr der Zukunft aus

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Die vollmundige Ankündigung auf der Landespressekonferenz: Hamburg wird zur „Modellstadt für moderne Mobilität“! Spätestens bis zum Jar 2021, wo man Gastgeber des ITS (Intelligent Transport Systems“) Weltkongresses wird. Effizienter, umweltverträglicher soll es zugehen. Und vor allem – komplett durchdigitalisiert und überwacht. Die Maßnahmen im einzelnen:

Schon ab Juli: Shuttle-Service in Osdorf und Lurup

Ähnlich dem privaten Anbieter „Moia“ sollen ab der zweiten Julihälfte in Osdorf und Lurup Shuttles von „ioki“ („Input Output Künstliche Intelligenz“!) fahren. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Bahn, wird in Hamburg mit den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH) zusammenarbeiten. Über eine App werden Fahrgäste mit ähnlichen Routen zu spontanen Fahrgemeinschaften zusammengebracht, nutzen ein gemeinsames Shuttle.

HVV fahren ohne Ticket

Ebenfalls im Juli starten interne Tests für ein „Check-in / Be-out“ – System, wie das neudeutsch heißt. Die Idee: ein einfacher Fingertipp auf die HVV-Smartphone-App, und das System zählt automatisch alle Fahrten bis zum nächsten Morgen. Am Ende ermittelt die App den günstigsten Tarif („Best-Price“). Sei es Kurzstrecke, 9-Uhr-Tagesticket oder ABCD. Nachteil: Man braucht a) die App und gibt b) sein Bewegungsprofil preis.

„Digitales Parken“: Parkplatz-Überwachung per Sensor

Im Herbst soll’s – zunächst in St. Georg – flächendeckend losgehen: 180 Parkplätze werden dort mit Sensoren versehen. Ein Testballon in Wandsbek mit 40 Parkplätzen im Winter war für gut befunden worden. Nach St. Georg sollen die Neustadt (210 Plätze), die Alststadt (180) und die HafenCity (30) folgen. Martin Huber, Amtsleiter Verkehr und Straßenwesen: „Das hilft den Parkraumsuchenden, hilft aber auch – das will ich nicht verhehlen, uns und der Parkraumüberwachung. Dann wissen wir, wo wir mal vorbeischauen können.“

Wärmebildkameras und ein Radverkehrs-Zählnetz sollen Daten liefern

Der Bund hat auch hier seine Förderung zugesagt: Bis Ende 2019 sollen an rund 220 Standorten ausgewählte Ampeln und Straßenlaternen mit Wärmebildkameras ausgestattet werden. Die erkennen Pkw, Lkw, Fahrradfahrer oder Fußgänger per Wärmestrahlung. „Sie sind jedoch nicht in der Lage, Gesichter oder Nummernschilder zu identifizieren“, wie die Verkehrsbehörde versichert. Mit rund 690.000 Euro wird zudem ein neues Radverkehrs-Zählnetz gefördert, 44 Dauerzählstellen sind eingeplant. Mit diesen „hervorragenden Daten“ wolle man den Verkehr effizienter gestalten, hieß es auf der Landespressekonferenz.

Teststrecke um die Messehallen für autonomes Fahren

„Autonomes Fahren ist für viele Menschen noch Zukunftsmusik, aber die Technik ist jetzt schon so weit, dass sie unter Realbedingungen eines Metropolen-Verkehrs getestet werden kann“, sagt Verkehrssenator Frank Horch (parteilos).

Auf einer Teststrecke von der Messe über Holstenwall, Landungsbrücken, Elbphilharmonie Rödingsmarkt und Gorch-Fock-Wall bis Dammtor sollen bis 2020 alle Ampeln mit Datensendern („Road Side Unit“) ausgestattet werden, ein erster hängt schon seit Mai an der Ecke Karolinenstraße / Marktstraße. 

Diese Sender sollen Testfahrzeuge auf der neun Kilometer langen Strecke steuern, zunächst noch mit Fahrern an Bord, die alles überprüfen. „Wir erhoffen uns davon weniger Unfälle, einen effizienteren Verkehr und damit weniger Emissionen“, so Senator Horch.

Opposition mahnt

„Alleine glücksseligmachend sind all diese Verheißungen noch lange nicht. So haben die abschreckenden P+R-Gebühren, das Aufpinseln von gefährlichen Radfahrstreifen auf Hauptverkehrsstraßen oder die mobilitätsfeindlichen Dieselfahrverbote mit Digitalisierung nichts zu tun, sondern gehen auf politische Fehlentscheidungen des Senats in der Vergangenheit zurück“, so der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Dennis Thering.

Modernste Technik sei also wichtig, man müsse aber auch jetzt seine Hausaufgaben machen. Noch schärfere Töne gibt es von der Linksfraktion. Die verkehrspolitische Sprecherin Heike Sudmann mahnt, die 4,8 Millionen Euro Fördergelder für die Teststrecke des autonomen Fahrens seien eigentlich für die Begrenzung der Stickoxid-Belastung gedacht. „Und was machen Senat und Bundesregierung daraus? In trauter Eintracht finanzieren sie mit diesem Geld eine Teststrecke für die Autoindustrie mitten in der Innenstadt. Das trägt mit Sicherheit nicht zu besserer Luft bei!“

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