Bayerische Familie wagte den Umzug: Welches Vorurteil stimmt und was in Hamburg fehlt

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Aus dem hohen Norden tief in den Süden ziehen? Für viele schwer vorstellbar. Dennoch wagen laut Statistikamt Nord jährlich 3000 Hamburger die Verlagerung ihres Lebensmittelpunktes nach Bayern. Im Gegenzug ziehen pro Jahr 3500 Bayern in die Hansestadt. Unter den Zugezogenen befindet sich auch die Familie Werner. Sie hat den Sprung nach Hamburg gewagt und vermisst nur noch die drei B’s. 

„Es dauerte nach dem Umzug noch etwa ein Jahr, bis wir Hamburg und seine Menschen kennen und lieben gelernt haben“, sagt der 54-jährige Erwin Werner. Er ist gebürtiger Niederbayer. Für einen Posten als Geschäftsführer einer Wurstfabrik sei er in den Norden gekommen.

Aller Anfang ist schwer, zurück wollen die Werners jedoch nicht

Seine Familie ließ er dabei zunächst im heimischen Mengkofen, einem 2000-Seelen-Ort südöstlich von Regensburg, zurück. Über drei Jahre pendelte er quer durch Deutschland. „Das war eine enorme Belastungsprobe für die ganze Familie, erinnert er sich heute. Da es so nicht weitergehen konnte, beschloss die Familie den Schritt in die Hansestadt.

Heute ist die Rückkehr in den Süden für die Wahlhamburger nicht mehr vorstellbar. Das sagt Erwins Frau Gabi, die als Lehrerin arbeitet. Gerade für sie war es am Anfang schwierig, da sie hohe bürokratische Hürden zu bewältigen hatte, bis sie anfangen konnte, in der Hansestadt zu arbeiten. Was die beiden vermissen? „Die drei B’s“, sagt Werner, „Berge, Brezen und Biergärten.“

„Hier kann man alles finden“ – selbst Männer in roten Hosen

Aber dafür hätten sie um so mehr neues dazugewonnen: Die Familie, die mit zwei Kindern, drei Hasen, zwei Meerschweinchen und einem Wellensittich nach Blankeneses zog, genießt den Großstadtflair der Hansestadt. „Hier kann man alles finden“, sagt die 54-jährige Pädagogin. Ob Elbphilharmonie oder Kiez-Klausen, ob hanseatische Traditionen oder Interkulturalität und Weltoffenheit.

„Das Klischee, dass die Hamburger grundsätzlich steif und reserviert seien, stimmt überhaupt nicht“, sagt Gabi. Andere Vorurteile haben sich allerdings bewahrheitet: „Hamburger Männer tragen rote Hosen, in Bayern wäre das undenkbar.“ Auch wenn die kleine Bavaria HH-Fraktion sich in der Hansestadt gut eingelebt hat, von einer Sache lassen sie nicht: ihr gemütlicher, niederbayrischer Dialekt. Die Hamburger treten diesem stets wertschätzend und humorvoll gegenüber. Also warum etwas ändern?

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