Billige Materialien, kaum Freizeitangebote: Zu wenig Geld für Hamburgs Schulen?

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Ein Beispiel neu geplanter Schule in Hamburg: So soll die Kurt-Tucholsky-Stadtteilschule in der Neuen Mitte Altona aussehen. (Bild: LRO Architekten)

Kosteneinsparungen zu Lasten von Nachhaltigkeit, kurzlebige Materialien, kein Geld zur Umgestaltung von Freiflächen: Die Hamburgische Architektenkammer übt scharfe Kritik am Hamburger Schulbau. Dieser sei nach Ansicht des Verbandes erheblich unterfinanziert.

Im Schulbau engagierte Architekten würden seit Langem berichten, dass die Budgets für viele Schulbaumaßnahmen zu gering bemessen seien, um eine ausreichende bauliche Qualität sicherzustellen, heißt es in einer Pressemitteilung der Architektenkammer. So seien Planer oft gezwungen, Entwürfe „herunterzurechnen“. Die Folge: Es werden preiswertere, aber weniger nachhaltige und dauerhafte Materialen und Produkte verwendet.

Wände von Fluren, Treppenhäusern oder Klassenräumen seien früher aus Mauerwerk oder Holz gefertigt worden, heute kämen oft nur noch Putzoberflächen mit Farbanstrich zum Einsatz, die nach kurzer Zeit überarbeitet werden müssten. Auch preiswerte Bodenbeläge aus Linoleum und Kautschuk würden heute haltbarerem Parkett in Aulen, Kunststofffenster Fenstern aus Holz oder Aluminium vorgezogen werden.

„Billiger Schulbau“: Kurzlebige Materialien statt nachhaltiger Produkte

Die Hamburgische Architektenkammer begrüße zwar, dass Senat und Schulbehörde dem Schulbau in Hamburg auch weiterhin hohe Priorität einräumen wollen. Dies sei angesichts einer weiter rapide wachsenden Schülerzahl und der „an zahlreichen Schulstandorten noch immer bedrückenden räumlichen Situation“ eine unabdingbare Investition in die Zukunft.

Dennoch: „Die jetzigen Budgets sind auch angesichts immer weiter steigender Baukosten mittlerweile deutlich zu gering, müssen erhöht und fortlaufend der konjunkturellen Entwicklung angepasst werden. Insbesondere kleinere und mittlere Schulbauprojekte, Sanierungen, sowie die Gestaltung von Frei- und Aufenthaltsräumen leiden unter eklatanter Unterfinanzierung“, so die Kammer weiter.

Im ZUge dessen sprach sich die Kammer dafür aus, im Schulbau verbindliche Standards einzuführen, beispielsweise in Bezug auf die Nachhaltigkeit oder die langlebige Wertigkeit der Materialien.

Schulhofgestaltung: „Öde asphaltierte Schulhöfe inakzeptabel“

Auch wenn der Etat im Einzelfall aufgestockt werde, müsse das Geld an anderer Stelle wieder eingespart werden, oft bei den Freianlagen oder Sanierungsmaßnahmen. An den Bauprojekten beteiligte Landschaftsarchitekten stellten immer wieder fest, es würde so gut wie kein Geld für die (Um)-Gestaltung von Freiflächen der Schule zur Verfügung stehen.

„Dass Schülerinnen und Schüler, die heute zumeist bis 16 Uhr in der Schule sind, ihre Pausen weiterhin auf öden asphaltierten Schulhöfen ohne Spiel- und Sportangebote verbringen müssen, ist nicht akzeptabel“, so die Architektenkammer.

Schulsenator weist Vorwürfe zurück

Gegenüber dem Abendblatt wies Schulsenator Ties Rabe (SPD) die Vorwürfe zurück: „Wir haben erstmals im Schulbau klare Qualitätsstandards definiert, um Kostenexplosionen wie zum Beispiel beim Bau der Elbphilharmonie bei jeder einzelnen Baustelle zu vermeiden. Unser Qualitätsniveau ist nicht Rolls-Royce, aber solide VW-Qualität.“

Seit 2011 habe die Stadt mehr als 2,5 Milliarden Euro in den Schulbau investiert.  „Wir haben den Stillstand beim Schulbau beendet und die Investitionsmittel von früher 150 Millionen auf jetzt bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr angehoben“, so Rabe. (mew)

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