Boy in der Elbphilharmonie : Wohlig-warmes Bad aus sanften Pop-Tönen

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Musikalische Kurzgeschichten-Erzählerinnen seien sie, erklärten Valeska Steiner und Sonja Glass vor einer Weile, und man befürchtet kurz, dass die neueste Erzählung ihres Erfolgs-Duos Boy auch grausig enden könnte. Hier am Sonntag in der Elbphilharmonie, beim Pop-Konzert vor ausverkauften Rängen, das N-Joy präsentierte. Denn die Konzerthaus-Diva ragt an diesem Abend bedrohlich aus dem Nebel, der den Rest des Hafens verschluckt. Und man sagt, dass ihre Akustik kleinste Fehler schonungslos offenlegt.

Aber dann ist da Valeska Steiners Stimme, die den Großen Saal bei Songs wie „Hit My Heart“ und „Boris“ völlig ausfüllt. Da ist das Cello von Sonja Glass, das beim Air-Cover „Playground Love“ sanft hinterherschwebt.

Und da sind die Streicher des Hamburger Kaiser Quartetts, die schon den Ausnahmepianisten Chilly Gonzales hier begleitet haben und die daher ganz genau wissen, wie man der Diva am Hafen am besten schmeichelt. Und diese Diva ziert sich daher nicht, sondern dankt es den Musikern, indem sie ihr Publikum in ein wohlig-warmes Bad aus Tönen eintaucht.

Gar nicht auftauchen möchte man daraus, außer zum Staunen. Zum Beispiel, als bei „Oh Boy“ Abertausend kleine Lichter über den Klang-Pilz an der Decke tanzen. Und zum Jubeln, weil die Damen und auch Herren auf der Bühne sich die Begeisterung ihrer Fans mehr als verdient haben.

Aber nach 70 Minuten geht es, fast zu früh, wieder raus in den Nebel. Es sind ja nun mal nur Kurzgeschichten, die die Damen von „Boy“ erzählen. Heute mit Diva. Und mit Happy End.