Daniil Trifonov in der Elphi: Wenn ein Russe mit den Briten …

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Nix mehr vom weltenfernen Jüngelchen: Seit Daniil Trifonov sich einen Bart hat wachsen lassen, mimt der 27-jährige auch sonst den ganzen Mann. Betritt am Montag mit Schlips und ernstem Blick die Elbphilharmonie, nimmt den stürmischen Applaus nach Tschaikowskys erstem Klavierkonzert ziemlich cool entgegen. Alles eine Frage des Stylings.

So auch in dem ziemlich abgespielten Bombast-Klassiker: Der vielleicht genialste Pianist seiner Generation rüstet in puncto Tastendonner erstmal ab, entwickelt den Kopfsatz klug zur spannenden Erzählung. Schade, dass ihn das Andantino hernach offenbar langweilt, umso packender dann wieder das Finale.

Geben das London Philharmonic Orchestra und Vladimir Jurowski hier noch die braven Begleiter, kommen Musiker und Dirigent nach der Pause im „Romeo und Julia“-Konzentrat Prokofjews mehr aus sich heraus.

Großartige Bläser, beeindruckende solistische Leistungen, hellwache Klangbalance – den ganz großen russischen Gefühlswelten aber verweigern sich die Briten. Oder standen da etwa diplomatische Verstimmungen im Wege…?

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