Ein Jahr „Elphi“: Das Geld wurde nicht verschwendet, im Gegenteil!

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Steuerverschwendung, Protz-Bau, Millionen-Desaster: Was wurde nicht alles Negatives über die Elbphilharmonie gesagt und geschrieben. Seit einem Jahr ist sie nun eröffnet – und ein voller Erfolg. Sie hat Hamburg in die internationalen Medien katapultiert, einen Besucheransturm ausgelöst – und damit sichert sie die Zukunft Hamburgs. Denn die Städte Europas werden immer ähnlicher. Erfolg wird nur haben, wer mit Außergewöhnlichem hervorsticht, wer Heimat und Identität schafft. Deshalb sollte sich Hamburg mit Hochdruck an weitere Leuchtturm-Projekte machen.

Wie reden derzeit viel über Europa. Was macht diesen Kontinent aus? Was unterscheidet uns von anderen? Ich bin übererzeugt: Es ist auch die europäische Stadt, die Polis.

Doch die Städte des Kontinents werden austauschbarer. In ihrer Architektur, in ihrem Warenangebot und in ihrer Funktionalität. Das ist schlecht. Warum? Die Mehrheit der Menschen braucht das Gefühl von Heimat und Identität. Das schafft Sicherheit und Geborgenheit gerade in Zeiten der Globalisierung. Dieses Gefühl entsteht nicht in austauschbaren Lebenswelten, sondern jeweils in deren Einzigartigkeit.

Aber auch ökonomisch betrachtet gilt: Die Städte als Zentren von Wissenschaft, Kommunikation und Kultur stehen im Wettbewerb. Wer sich dort behauptet, steht im Fokus bei Investitionen, Tourismus, wertschöpfender Attraktivität. Das wiederum schafft Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.

Der Anspruch: etwas nicht Austauschbares schaffen

Doch so wichtig die „Basics“ wie eine gute Verwaltung, Kitaplätze, ausreichend erschwinglicher Wohnraum sind – sie alleine sind keine Alleinstellungsmerkmale. Sie sichern nicht unseren europäischen Anspruch an die Stadt der Tradition und der Zukunft. Das schafft nur etwas Außergewöhnliches.

Und das war der Beweggrund für den Bau der Elbphilharmonie. Etwas nicht Austauschbares zu schaffen, Tradition und Moderne in der Architektur zu verbinden, den Anspruch von Kultur auch als öffentliche Aufgabe sichtbar zu machen, und zwar für alle zugänglich, mitten in der Stadt.

Und diese Idee ist aufgegangen, auch für die Kritiker, ob sie wollen oder nicht: Millionen von Besuchern, Berichte in weltweiten Medien, Konzerte und Ereignisse mit großer Ausstrahlung und dazu einer Silhouette, die zum Wahrzeichen wird.

Nun werden manche einwenden: Schön und gut, aber was habe ich davon? Und dann die Kostenexplosion, das war Verschwendung von Steuergeldern! Dazu Folgendes: Auch wenn nicht jeder Einzelne unmittelbar profitiert – die Stadt als Ganzes tut es. Ökonomisch, weil jeder Besucher Geld in der Stadt lässt. Davon profitieren der Einzelhandel, die Gastronomie, die Hotellerie; alles Branchen, die grade zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen im „normalqualifizierten Bereich“ beitragen.

Und eine Stadt mit guter Architektur und Kultur schafft Atmosphäre und prägt ein zivilisiertes Zusammenleben.

Es gab anfängliche, massive Fehlkalkulation

Zum Geld: Es gab anfängliche, massive Fehlkalkulation. Das stimmt und hat viele Gründe: Es herrschte in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts in Hamburg eine enorme Aufbruchstimmung. Vieles ging voran: HafenCity, Neugestaltung des Jungfernstiegs, ein neuer Spielbudenplatz, ein neues Kitasystem, ein neues UKE wurden geplant, Business Improvement Districts eingeführt…

Das führte dazu zu sagen: „Wir kriegen das schon hin.“ Wir haben gedacht, man könnte einen Bau, der in seiner Konstruktion einmalig ist, auch kostenmäßig im Entstehungsprozess entwickeln. Das war falsch. Hinzu kamen viele inhaltliche Änderungswünsche während des Baus.

Aber Steuerverschwendung? Nein, denn das Geld wurde nicht verbrannt, nicht verschwendet. Vielmehr ist ein Wert geschaffen worden, der die Ausgaben bereits rechtfertigt oder rechtfertigen wird. Und trotz der Kritik: Viele Städte beneiden uns inzwischen um das Bauwerk.

Deshalb: Lasst uns nicht mit der Elbphilharmonie aufhören und sagen, das war’s! Hamburg ist eine Stadt mit großen Möglichkeiten. Sie kann das Modell der europäischen Stadt sein: architektonisch einzigartig, Teilhabe und Chancen für viele garantierend, ein kulturelles und wissenschaftliches Zentrum auf guter ökonomischer Grundlage.

Doch dazu bedarf es viel Kreativität, zum Beispiel für die Gestaltung des Kleinen Grasbrooks, der Hafenentwicklung und des Anspruchs, endlich auch im Bereich der Wissenschaft führend zu sein.