Elbjazz-Festival: Donnerwetter und ein Hauch Karibik

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Dieses Elbjazz-Festival werden die Besucher so schnell wohl nicht vergessen: Da waren zum einen Musiker, die groß aufspielten und zahlreiche akustische Highlights setzten, und natürlich der extreme Wolkenbruch, der am Freitag für tanzende Fans im Regen und beinahe für den Abbruch des Festes auf dem Gelände von Blohm+Voss am südlichen Elbufer sorgte.

Am Tag zuvor sah man auf der Videoleinwand noch in den strahlend blauen Himmel der Karibik. Mit drei Konzerten im Großen Saal der Elbphilharmonie gaben das quirlig-nervöse Andromeda Mega Express Orchestra, Residenzkünstler Michael Wollny mit seinem Trio und Ausnahmemusiker Chassol einen Vorgeschmack aufs Festival.

Auf der karibischen Insel Martinique hat der Franzose Christophe Chassol mit der Filmkamera audiovisuelle Eindrücke gesammelt und in Wiederholungsschleifen montiert: Vogelschreie im Regelwald, ein Bambusflötenspieler auf dem Friedhof, eine hitzige Runde von Dominospielern. Mit elektronischen Instrumenten ahmt Chassol Sprachmelodien nach, verfremdet und überlagert das Gehörte.

Theo Croker verteilt Streicheleinheiten fürs Ohr

Dabei nutzt er die Tonspur der Filmbilder zusammen mit Schlagzeuger Mathieu Edouard als rhythmische und melodische Folie für impulsive Improvisationen – etwa wenn eine Marching Band trommelnd den Karneval feiert. „Big Sun“ nennt der 42-Jährige sein Projekt.

Die Sonne allerdings war am nächsten Tag auf dem Werftgelände nicht zu sehen, als der amerikanische Jazz-Trompeter Theo Croker mit seinem Quartett DVRK Funk fein abgezirkelte Klangblitze ins Publikum schleuderte und Streicheleinheiten fürs Ohr verteilte.

Tanzlaune entfesselte die NDR-Bigband gemeinsam mit dem brasilianischen Sänger und Percussionisten Joca Perpignan und dem israelischen Pianisten Alon Yavnai. Südamerikanische Rhythmen, eine Huldigung an „Mother Africa“ und flammende Solo-Einlagen vertrieben die dunklen Wolken – aber leider nicht nachhaltig.

Elbjazz-Festival wird zur Wasserlandschaft

Als die charismatische Soul-Sängerin China Moses – Tochter der Jazz-Diva Dee Dee Bridgewater – die Bühne betrat, verwandelte ein anhaltender Platzregen das Gelände binnen Minuten in eine Wasserlandschaft. Ein markerschütternder Donnerknall beendete Moses’ Auftritt um 20.45 Uhr. Eine Werfthalle wurde geöffnet, in die sich mehr als tausend Besucher flüchteten.

Andere suchten unter schmalen Dachvorsprüngen und Werbetransparenten Schutz. Glücklich all jene, die sich für Konzerte in der Hauptkirche St. Katharinen, auf der „MS Stubnitz“ oder in der Elbphilharmonie entschieden oder ein Ticket für Sonnabend erworben hatten. Denn mit so illustren Größen wie dem Trompeter Nils Wülker und dem Saxofonisten Kamasi Washington auf der Hauptbühne zeigte Petrus Gnade.

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