Elbphilharmonie: Wie eine Reise in eine völlig andere Welt

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Sie ist ein Bauwerk der Superlative, einzigartig auf der ganzen Welt. Astronomisch teuer, überirdisch schön – und endlich fertig: Hamburgs neues Wahrzeichen, die Elbphilharmonie. Ab Sonnabend steht die Plaza, die Aussichtsplattform des Konzerthauses, allen Hamburgern offen – die MOPO hat sich am Freitag schon mal umgesehen.

Draußen am Kaiserkai weht mir eine steife Hafenbrise um die Nase, kreischen Möwen, tuckern Frachtschiffe die Elbe hinauf – vertrauter kann Hamburg kaum sein. Doch kaum habe ich die Schwelle zum Haupteingang überschritten, bin ich in einer völlig anderen Welt.

„The Tube“ – die Röhre – nennt sich der Tunnel, durch den eine XXL-Rolltreppe die Besucher samtweich hoch zur Plaza gleiten lässt. Mit 82 Metern ist sie nicht nur die längste Rolltreppe Europas, sondern auch die längste gebogene der Welt.

Zweieinhalb Minuten dauert die Fahrt durch das pastellfarbene gedämpfte Licht, vorbei an Glas-Pailletten in den Tunnelwänden. „Die könnten das Ding aber auch ein bisschen schneller machen“, knurrt Kollege Patrick Sun ungeduldig. Aber genau das ist nicht erwünscht: Der Besucher soll sich auf den  spacigen Bau einstimmen. Und dafür sorgt schon die Krümmung der Treppe. Je höher man kommt, desto flacher wird der Bogen der Treppe und damit auch die Stufen – ein irritierender Effekt.

Am Ende der Treppe führt mich der Weg direkt auf ein bodentiefes Panoramafenster. Es kostet mich ein bisschen Überwindung, direkt vor die Scheibe zu treten, hinter der es gut 30 Meter senkrecht nach unten geht. Aber  der atemberaubende Blick auf den Fluss und die Landungsbrücken lässt mich das mulmige Gefühl im Magen vergessen.

Biege ich um die Ecke, öffnet sich schon die Plaza: ein Gewirr aus rasant geschwungenen Wänden und Decken, schiefen Säulen, bizarr  verwinkelten Treppen und wellenförmigen Fensterflächen, durch die ich auf die rund um das Gebäude verlaufende 37 Meter hohe Außenplattform gelange – mit einem noch eindrucksvolleren 360-Grad-Panorama von Stadt und Hafen. „Ein Raumschiff“, nennt der Elphi-Intendant und Science-Fiction-Fan Christoph Lieben-Seutter sein Haus.

Der Kleine Saal wirkt noch surrealer als die Plaza. Er ist der Akustik wegen komplett mit wellenförmig gefrästem Eichenholz ausgekleidet, inklusive der Türen – als wären die Wände flüssig. Der Große Saal ist mit der berühmten „Weißen Haut“ aus Gipskarton gestaltet, die einen perfekten Klang an jedem Platz ermöglichen soll. „Als ich das erste Mal hier war, hat mich das sehr berührt“, erzählt Bürgermeister Olaf Scholz, „und es passiert mir sehr selten, dass Architektur mich berührt.“ 

Elbphilharmonie-Plaza: ab Sonnabend, 5.11., täglich 9-24 Uhr, Tickets gratis vor Ort oder für zwei Euro pro Karte auf elbphilharmonie.de.

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