Elphi-Rettung, Olympia, G20: Das bleibt von Scholz, wenn er den Abflug macht

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Nie war der Bürgermeister unbeliebter als jetzt – was vor allem an dem in vielerlei Hinsicht aus dem Ruder gelaufenen G20-Gipfel liegen dürfte. Dabei gibt es einiges, wofür Olaf Scholz sich auf die Schulter klopfen kann.

Was bleibt von ihm, wenn er den Abflug nach Berlin macht? Die MOPO blickt zurück auf die Tops und Flops seiner beiden Amtszeiten.

Tops: Elphi, Wohnungsbau und Co.

Wahlsieg mit absoluter Mehrheit

Es waren Zahlen, von denen die SPD in anderen Bundesländern nur träumen konnte. 48,4 Prozent holten Scholz und seine Partei  bei der Bürgerschaftswahl 2011 – absolute Mehrheit! Nachdem die schwarz-grüne Vorgängerregierung zerbrochen war, setzten viele Hamburger auf eine stabile, rote Regierung – die sie mit Scholz an der Spitze  bekamen. 2015 wurde er wiedergewählt, brauchte diesmal aber die Grünen für eine Koalition.

Elphi-Rettung

Man hatte sie in Hamburg schon aufgegeben, die Elbphilharmonie. Abgestempelt als teure Für-immer-Baustelle, über die ganz Deutschland lachte. Doch so wollte Scholz das nicht stehen lassen: Im Frühjahr 2013, knapp eineinhalb Jahre nachdem sich auf der Baustelle zuletzt etwas bewegt hatte, ergriff er die Initiative, brach die festgefahrenen Verhandlungen zwischen Stadt und verantwortlichem Baukonzern Hochtief auf und handelte einen Kompromiss aus: Der Senat machte den Geldbeutel auf, Hochtief baute das neue Super-Wahrzeichen zu Ende. 2017 wurde die Elphi eröffnet – und zieht seither noch mehr Touristen nach Hamburg als zuvor.

Wohnungsbau

Jahrelang hatte sich in Hamburg (fast) nichts getan – doch unter Scholz startete eine echte Bau-Offensive. Mehr als 65.000 Wohnungen wurden seit seinem Amtsantritt gebaut, weitere 10.000 pro Jahr sollen folgen, darunter tausende Sozialwohnungen – beim Wohnungsbau liegt Hamburg bundesweit vorn.

E-Mobilität

Auch in diesem Punkt ist unsere Stadt Vorreiter. Unter Scholz setzte der Senat verstärkt auf elektrischen Antrieb: So soll die komplette Dienstwagen-Flotte der Stadt umgerüstet werden. 600 Ladestationen für E-Autos gibt es in Hamburg bereits – bis 2019 sollen es 1150 werden. Zusätzlich rollen bereits jetzt Elektro- und Hybrid-Busse durch die Stadt. Bis 2030 soll die komplette Busflotte auf E-Antrieb umgestellt sein. Die Stadt stellt entsprechende Fördermittel zur Verfügung.

Flops: Olympia, G20 und Co. 

Elbvertiefung

Mit diesem Projekt kann sich Scholz nicht schmücken. Seit Jahren bemängeln Reedereien und Terminal-Betreiber, dass ihnen durch die fehlende Elbvertiefung Millionen durch die Lappen gehen. Für Hamburg als Hafen- und Wirtschaftsmetropole ist die Vertiefung und Verbreiterung der Fahrrinne aber immens wichtig: Wenn die Mega-Pötte in Zukunft nicht mehr einlaufen können, verliert die Stadt Marktanteile an Konkurrenz-Häfen wie Rotterdam. Doch bisher ist im Dauer-Streit mit Naturschützern kein Ende in Sicht.

Olympia

Die Bewerbung Hamburgs als Austragungsort für die Sommerspiele 2024 erklärte Scholz in seiner zweiten Amtszeit zur Chefsache.

Mit großem Brimborium warb der Bürgermeister für seine Stadt – nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich und städtebaulich sollte Hamburg einen Sprung machen. Auf dem Kleinen Grasbrook sollte ein Stadion der Superlative entstehen, das Olympische Dorf hinterher in Sozialwohnungen umgebaut werden.

Was Scholz dabei aber aus den Augen verlor, waren die Sorgen und Zweifel der Bürger. Viele waren von den hochtrabenden Plänen nämlich überhaupt nicht überzeugt. Ein Volksentscheid sollte es schließlich richten – in dem Hamburg mit knapper Mehrheit gegen eine Bewerbung stimmte.

G20-Gipfel

Für viele sind es die Bilder, die sich in Zusammenhang mit Scholz besonders eingebrannt haben: Der Bürgermeister beim entspannten Plausch mit Donald Trump vor der Elphi, während vermummte Gestalten marodierend durch die Schanze zogen.

Brennende Barrikaden, geplünderte Geschäfte: So hatte sich Scholz den Gipfel in Hamburg nicht vorgestellt – und auch nicht angekündigt. Von G20 würden viele Hamburger gar nichts mitbekommen, hatte er vollmundig versprochen. Doch es kam bekanntlich anders.

Eine Veranstaltung dieser Art hätte in einer Stadt wie Hamburg nie stattfinden dürfen, wurde Scholz vorgeworfen. Dass die Stadt nun auch noch auf einem Großteil der Kosten sitzen bleibt, bringt für viele das Fass zum Überlaufen.

Nein, in Sachen Beliebtheit hat Scholz in Hamburg gerade keinen guten Stand. Ein Abgang nach Berlin käme da vielleicht ganz gelegen…