ESC-Sieger in Hamburg: Dem Tod ein Schnippchen geschlagen

Veröffentlicht

Am 13. Mai vor zwei Jahren gewann Salvador Sobral (29) mit dem Song „Amar Pelos Dois“ den „Eurovision Song Contest“ für Portugal. Mit der zärtlichen Nummer, geschrieben von seiner Schwester Luísa, traf der Spross einer portugiesischen Aristokratenfamilie Europa mitten ins Herz – bis er selbst ein neues brauchte.

„Als der Moderator verkündete, dass ich gewonnen habe, dachte ich nur: Oh, ich muss noch mal auftreten?“, erinnert er sich. „Okay, aber wie schaffe ich es ein zweites Mal die Treppen hoch zur Bühne?“ Denn schon Jahre zuvor hatten die Ärzte bei dem Jazz-Sänger einen Fehler an der rechten Herzkammer diagnostiziert – ein Jahr stand er zu dem Zeitpunkt bereits auf der Warteliste für ein Spenderherz.

„Es war heikel“, erinnert sich Sobral. „Ich war einer der wenigen, der ein Problem mit der rechten Herzkammer hatte. Das ließ mich in der Liste nach unten rutschen. Denn viele Leute können damit auch ohne Spenderherz weiterleben.“ Der plötzliche Ruhm machte die Sache nicht unbedingt einfacher: „Vor dem ESC-Sieg spielte ich Konzerte in Bars vor 50 Leuten. Plötzlich standen Zehntausende am Flughafen, um mich in Empfang zu nehmen. Ich war schwach, ständig müde und dem körperlich nicht gewachsen.“ Sein Zustand verschlechterte sich rapide und wurde lebensbedrohlich.

Vier Monate nach seinem größten Triumph ging schließlich gar nichts mehr. Die Ärzte befohlen ihn ins Krankenhaus. In Portugal gilt – anders als in Deutschland – die Widerspruchsregelung; Menschen sind mit der Geburt automatisch Organspender. „Das müsst ihr bei euch unbedingt ändern“, findet er. Im Dezember 2017 wurde schließlich ein Herz für ihn gefunden.

Über seine Genesung hat er den Song „180, 181 (Catarse)“ für sein zweites Album „Paris, Lisboa“ geschrieben. „Der Rest der Platte steht für meine Wiedergeburt und ist deutlich munterer“, meint er. Jünger und frischer sieht er heute aus, und seine Ausstrahlung ist um einiges positiver als noch zu ESC-Zeiten. „Ich spiele jede Woche Fußball, ich jogge – ich kann wieder alles machen“, erzählt er. Wem sein Spenderherz vorher gehörte, weiß er nicht. Genau genommen hat er sein neues Herz bereits weiterverschenkt: an die französische Schauspielerin Jenna Thiam nämlich. Das Paar heiratete im vergangenen Dezember in Lissabon. „Wir haben so viel zusammen durchgemacht in den letzten Jahren, es waren echt harte Zeiten für uns. Wir wollten einfach die Liebe und das Leben feiern“, meint Sobral freudestrahlend. Ein Happy End auf allen Ebenen.

Album: „Paris, Lisboa“ (Warner)

Konzert: 25.4., 20 Uhr, Elbphilharmonie (ausverkauft)

Powered by WPeMatico