Foto-Profis: Unterwegs mit Hamburgs Instagram-Stars

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Sie haben zusammen mehr als 160.000 digitale „Follower“, sind Pioniere der quadratischen Handy-Fotografie: André Krüger, Sebastian Timm und Simon Fessler sind Hamburgs „Instagrammer“ der ersten Stunde. Mit ihren Fotos, die sie mit der beliebten App „Instagram“ veröffentlichen, begeistern sie viele Fans. Was ist ihr Geheimnis?

„Stell dich ein kleines bisschen rüber“, weist Fessler seinen Kumpel Sebastian Timm (auf Instagram unter @S_Timmung zu finden) an. „Moment“, ruft er,  „jetzt kommen Menschen.“ Beide verharren in ihrer Position. Passanten kreuzen das Blickfeld. Fessler schaut schräg auf das Display seines iPhones, richtet das Bild nach dem Kollegen aus.

Der 25-Jährige mag Bilder mit Fluchten. Parkhäuser, kleine Gassen, Straßen, Brücken. Timm positioniert er auf der oberen Stufe einer Treppe, umrahmt von zwei Gebäuden. Einige Hundert Meter weiter sind die Landungsbrücken. Es dauert mehrere Minuten, bis er mit seinem Motiv zufrieden ist. „Ich lege Wert auf Symmetrie“, erklärt Fessler (zu finden unter @simonfessler).

Mehr als 400 Millionen Menschen weltweit nutzen die Instagram-App,  laden täglich Millionen neue Fotos hoch. Das Markenzeichen ist das quadratische Format. Der Erfolg war so gigantisch, dass Facebook 2012 eine Milliarde Dollar bezahlte, um die Firma zu übernehmen.

Am 6. Oktober 2010 kam die App auf den Markt, vier Tage später hatte André Krüger (@Bosch) seinen Account registriert. Seither begeistert er mehr Nutzer, als Stralsund Einwohner hat. 61.000 „Instagrammer“ folgen dem 39-Jährigen, das heißt, wenn sie die Anwendung auf ihren Smartphones öffnen, werden ihnen unter anderem Krügers Bilder angezeigt.

Krüger mag Fotos, die „Reibungsfläche“ bieten. Sein Spezialgebiet sind hässliche Bauten und Fotos von Kaffee. „Instagram fördert die heile Welt“, sagt er – und liefert mit vielen seiner Fotos das Gegenstück. Hochhaus statt Sonnenaufgang.

Schwarze Lampen hängen dicht über den Holztischen. Kleine Kakteen stehen in der Mitte. Krüger greift nach einer Kaffeepackung im Regal. Behutsam legt er die neben Kanne und Tasse. Das schummrige Licht ist für ein gutes Foto nicht optimal, doch Krüger gefällt es. Er kommt oft ins „Less Political“ in der Schanze, um Bilder seiner neuesten Kaffee-Entdeckungen zu machen.

Krüger hat durch die Kaffee-Fotos viele Gleichgesinnte auf der ganzen Welt gefunden. Unter seinen Bildern wird fleißig diskutiert. Wie schmeckt welche Sorte? Krüger: „Der Austausch über Kaffee ist mir wichtiger, als Likes für die Bilder zu erhaschen.“

Dabei sind „Likes“ (Nutzer klicken auf ein Herz, wenn ihnen ein Bild gefällt) in der Welt von Instagram eine harte Währung. Reichweite bringt Kohle. Firmen zahlen viel Geld, um ihre Produkte in den Fotos zu platzieren oder in der Bild-Beschreibung genannt zu werden. Auch Fessler, Timm und Krüger monetarisieren einige ihre Arbeiten.

Alle drei legen dabei Wert auf Transparenz, geben an, wenn ein Motiv vergütet wurde. Das machen nicht alle so. Vor allem viele Mode-Blogger markieren lediglich die Sponsoren auf dem Bild. Dadurch ist nicht immer gleich erkennbar, dass ein Konzern hinter dem Foto steckt.

Heute sind Fessler und Timm ohne Auftrag unterwegs. Der 31-jährige Timm steuert auf ein kaputtes Aussichtsfernglas zu. Durch die Öffnung peilt er ein Segelschiff und die Elbphilharmonie an. Wie es später wirken wird, weiß er genau. „Ich denke halt in Quadraten“, witzelt Timm.

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