Für 11 Millionen Euro verkauft: Raten Sie mal, wo Hamburgs teuerste Wohnung liegt

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Mieter ächzen unter steigenden Preisen, das Land diskutiert über Mietendeckel und Enteignungen – doch der Markt für Luxuswohnungen boomt in Hamburg: In 2018 stieg die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen in diesem Segment um 16 Prozent, die der Häuser sogar um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine Wohnung ging sogar für elf Millionen Euro weg!

Und diese Wohnung liegt, wie soll es anders sein, in der Elbphilharmonie in der HafenCity. Auf 285 Quadratmeter genießen die neuen Eigentümer schönsten Elbblick. Der Quadratmeterpreis: 38.000 Euro!

Das ist selbst für die Elbphilharmonie viel: Im Schnitt liegen dort die Quadratmeterpreise bei rund 30.000 Euro, so Björn Dahler vom gleichnamigen Luxusmakler Dahler & Company. 

Das teuerste Haus in Hamburg kostete 17 Millionen Euro

Für das teuerste Haus, das verkauft wurde, musste übrigens noch ein bisschen tiefer in die Tasche gegriffen werden: Es wechselte für 17,25 Millionen Euro den Besitzer und steht in Winterhude. 

Es ist keinen Monat her, da hat der Gutachterausschuss für Grundstückswerte seinen Bericht zur Wohn- und Bausituation in Hamburg veröffentlicht. Die Berichte gelten als besonders belastbar, da sie nicht mit Schätzwerten, sondern mit den in den Kaufverträgen festgelegten Summen arbeiten. Nun haben die Hamburger Makler von  Dahler & Company die Daten des Berichts ausgewertet und präsentieren ihre eigenen Ergebnisse.

Hier wurden die meisten Wohnungen und Häuser in Hamburg verkauft

Diese beziehen sich auf das Luxussegment der Immobilienbranche. Das bedeutet, dass es um Wohnungen geht, die pro Quadratmeter mindestens 5000 Euro kosten und Häuser ab einem Gesamtwert von einer halben Millionen Euro. Das sind, so Björn Dahler auf Mopo-Rückfrage, circa 30 Prozent des gesamten Wohnungsmarktes.

Demnach wurden vor allem neuere Wohnungen und Häuser mit einem Baujahr ab 2017 verkauft. Im Preissegment zwischen 5000 und 6999 Euro pro Quadratmeter lagen 75 Prozent der Käufe. Die meisten Häuser wurden im Alstertal und in den Walddörfern verkauft, die meisten Wohnungen wechselten in den Elbvororten den Besitzer. Der Trend gehe zu Neubauten, besonders in Randlagen, so Dahler.

Preise steigen kontinuierlich – vor allem im Umland

Damit bestätigen die Makler einen Trend, der sich seit Jahren in Hamburg abzeichnet. Die Preise steigen in ganz Hamburg, jedoch unterschiedlich stark. Der Erhebung des Gutachterausschusses vom vergangenen Juni zufolge sind allein im Berichtsjahr die Preise von Häusern, Wohnungen und Grundstücken um 5 Prozent angestiegen.

Dem Immobilienmarktatlas 2019 der Landesbausparkasse (LBS) zufolge seien die Preise im Umland dabei stärker gestiegen als die in der Innenstadt – um über 4 Prozent in Hamburg selbst und über 7 Prozent im Umland.

Markt verlagert sich in Hamburger Randgebiete

„Mit Ausnahme von Gebieten östlich der Alster spiegeln die Schwerpunkte der Kauffälle die Verlagerung in die Randgebiete wider. Mangelndes Angebot in den zentralen Lagen lassen Interessenten den Blick über den Tellerrand hinauswagen. Aus ehemaligen Alternativen werden etablierte Standorte, die die Bedürfnisse verschiedenster Nutzer abdecken“, so Björn Dahler.

Ein Beispiel: In Blankenese wuchs die Bevölkerung zwischen 2011 und 2017 um 5,6 Prozent, die Zahl der angebotenen Luxuswohnungen dagegen stieg um fast das doppelte (10,2 Prozent). Anders gesagt: Gebaut wird, was Geld bringt – und nicht das, was Mieter brauchen. 

Regulierung oder Entfesselung des Marktes? 

Das die Preise im Luxussegment steigen, lässt die Frage aufkommen, was das für die sogenannte Wohnraumkrise in deutschen Städten bedeutet. Faktisch lässt sich aus den Entwicklungen nur ableiten, dass es Investoren scheinbar gegenwärtig sinnvoller erscheint, in diesem Segment zu investieren. Für die Politik stellt sich hier die Frage, wie man das umlenken kann.

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) äußerte sich vor kurzem zur hiermit eng verzahnten Problematik der Mieten. Er sprach sich gegen einen sogenannten Mietendeckel aus, da diese investitionshemmend wirke. Dafür wolle er die bundesweit bereits geltende Kappungsgrenze auf Landesebene verschärfen. Diese Grenze erlaubt es zurzeit Vermietern nicht, ohne die Zustimmung der Mieter innerhalb von drei Jahren die Miete über 20 Prozent zu erhöhen.

Das Thema Mietendeckel war von der Fraktion der Linken in die Bürgerschaft eingebracht worden. Dort wurde es kontrovers diskutiert.

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