Geschäfte stehen leer: Standpunkt: Die Hamburger City muss sich neu erfinden

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Die Sesselei: Die Filiale an der Steinstraße 5 wurde geschlossen, weil dort umgebaut werden sollte. (Bild: Schimkus)

Öde Plätze, viel mittelmäßige Gastronomie und die immer gleichen Ladenketten: Hamburgs Innenstadt ist in die Jahre gekommen. Attraktionen? Fehlanzeige! Und das in Zeiten immer stärker werdenden Online-Handels und einer Konkurrenz, die in der HafenCity unaufhörlich wächst. Es ist höchste Zeit, dass die Hamburger City sich neu erfindet.

In diesen Tagen schrauben Mechaniker nagelneue Lampen an, die die Mönckebergstraße künftig in jeden gewünschten Farbton tauchen können. Auch Rosarot – wenn gewünscht. Doch das entspricht nicht ganz der Stimmung von Kaufleuten, Gastronomen, Vermietern oder der Handelskammer.

Mega-Shopping-Center eröffnet 2022 in der HafenCity

Ihre Vertreter haben sich vor Kurzem an die Stadt gewandt, fordern vom Senat Investitionen, damit der traditionelle Shopping-Standort Hamburgs konkurrenzfähig bleibt. Denn spätestens 2022, wenn mit dem südlichen Überseequartier ein Mega-Shopping-Center in der HafenCity eröffnet, könnte es ganz eng werden für die Geschäftsinhaber in der Innenstadt.

Kleine persönliche Rückblende: In meiner Kindheit in den 60er Jahren war es immer etwas ganz Besonderes, wenn die Mutter ankündigte: „Wir fahren in die Stadt.“ Mit der Straßenbahn Linie 3 ging es dann von der Bundesstraße in Eimsbüttel bis zum Gänsemarkt. Und wie aufgeregt waren wir, wenn es zum Shoppen ins „Spielzeug-Paradies“ am Neuen Wall ging oder zu „Spielzeug-Rasch“ am Gerhart-Hauptmann-Platz. Eine Attraktion war auch das einmalige Elektronik-Kaufhaus „Brinkmann“ an der Spitalerstraße. Später fand ich dann eher die kleinen Antik- und Uhrenläden im Bereich der ABC-Straße spannend.

Hamburg: Geschäfte leiden unter dem zunehmenden Internethandel

Was ich sagen will: Früher gab es in der City eine Vielzahl kleinerer individueller Läden. Sie waren neben den Kaufhäusern ein wichtiger Anziehungspunkt. Und heute? Wird die City dominiert von den immer gleichen Klamottenketten-Läden, Optikern oder Handy-Shops. Dafür muss ich mich nicht durch Baustellen oder Staus kämpfen oder in überfüllten Bahnen sitzen. Diese beliebig austauschbaren Sachen kann ich alle im Internet kaufen …

Andreas Bartmann („Globetrotter“) rechnet damit, dass in den nächsten Jahren jeder zweite Einzelhändler in der City aufgeben muss, wenn dort alles so bleibt, wie es ist. Im Rahmen ihres Business Improvement Districts (BID) haben Vermieter und Gewerbetreibende der Innenstadt in den vergangenen 15 Jahren gut 50 Millionen Euro in die City gesteckt.

Rathausmarkt in Hamburg – eine öde Fläche mit hässlichen Pavillons

Auch die 2,5 Millionen teuren neuen Lampen wurden vom BID bezahlt. Und die Stadt? Hat die City scheinbar schon abgeschrieben. Der Rathausmarkt? Eine öde Fläche mit hässlichen Pavillons. Der Gerhart-Hauptmann-Platz? Vernachlässigt. Gänsemarkt oder Getrudenkirchhof? Langweilig. Der Burchardplatz – ein Großparkplatz.

Wenn man ehrlich ist, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, zwischen Rathausmarkt und Hauptbahnhof zu flanieren. Ganz anders in der HafenCity. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass dort etwas Interessantes eröffnet. Miniatur-Wunderland, Dungeon, Discovery Dock, das neue Luxus-Kino Astor, die Märchenwelten – und natürlich die Elbphilharmonie: Das sind echte Attraktionen. Und auf dem Grasbrook entwickelt sich die HafenCity rasant weiter mit einem Hafenmuseum von internationaler Bedeutung.

Hamburgs Zentrum droht zu veröden

Die Hamburger Innenstadt ist auf dem Abstellgleis. Ich wage sogar die Prognose, dass in zehn Jahren viele Straßen dort veröden – wenn die Stadt nicht endlich handelt.

Doch wer fühlt sich dort eigentlich verantwortlich für die Entwicklung unserer City? Der Bezirksamtsleiter Mitte, die Stadtentwicklungssenatorin? Man weiß es nicht. Bausenatorin Stapelfeldt sprach vor ein paar Tagen zwar davon, dass die City neben dem Hafen „Hamburgs wichtigster Identifikationsträger“ sei, aber das sind halt nur schöne Worte.

Die Grünen wiederum glauben, dass man die City nur autofrei machen müsse, dann würde sie schon mit Leben erfüllt und alles würde gut. Ich glaube, so einfach ist es nicht. Bürgermeister Peter Tschentscher sollte die City-Entwicklung direkt vor seiner Rathaus-Tür endlich zur Chefsache machen. Wenn nicht langsam etwas geschieht, drohen der City Verödung und Leerstand, wie man es in diversen Innenstädten des Ruhrgebiets schon sehen kann.

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