Gregory Porter in der „Elphi“: Philharmonie statt American Football

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Gregory Porter (46), dieser Bär von einem Mann, dem eine Schulterverletzung einst die Football-Profi-Karriere versaut hatte, steht am Donnerstag auf der Bühne der Elbphilharmonie und wischt sich mit einem Taschentuch die Tränen aus dem Gesicht.

Einigen Menschen im Publikum geht es da ganz ähnlich. Der Jazz-Sänger weint aber nicht etwa vor Rührung, was durchaus nachzuvollziehen wäre aufgrund des massiven Jubels, der ihm entgegenbrandet.

Bei ihm kullern die Tränen, weil das Lied „I Wonder Who My Daddy Is“ so nah an seiner eigenen Biografie dran ist: Porter wuchs ohne Vater auf. Im Original wurde das Lied von Freddy Cole, dem Bruder Nat King Coles gesungen.

Letzterem huldigt Porter an diesem Abend mit einem Coversong-Programm: „Als ich sechs Jahre alt war, dachte ich, Nat King Cole sei mein Vater. Er sprach durch seine Platten zu mir“, erzählt der US-Amerikaner nach dem Song „The Lonely One“.

Begleitet wird er von der Neuen Philharmonie Frankfurt unter Leitung des Grammy-dekorierten Arrangeurs Vince Mendoza, mit dem er schon das dazugehörige Album eingespielt hatte. Für Piano, Kontrabass und Drums hat er seine eigene Band mitgebracht.

Porter stellt sich auf kein Podest, sondern mitten unter die Musiker. Wie er seinen warmen samtigen Bariton um Cole-Klassiker wie „Smile“ schmiegt, ist einfach nur wundervoll. Die Streicher tun ihr Übriges.

Mit „The Christmas Song“ versprüht Porter dann auch noch richtige Weihnachtsstimmung. Ein herrlicher Abend!