Grottig oder grandios: Wie klingt die Elphi wirklich?

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Die Elbphilharmonie wurde schon als „Klangwunderwerk“ gerühmt, als sie noch nicht mal ganz fertig war. Als wollten die Politiker nachträglich die hohen Kosten rechtfertigen („zugegeben, sie war teuer, aber dafür ist sie auch richtig gut“), gab es sehr früh das Versprechen, Hamburgs neues Wahrzeichen werde eins der zehn besten Konzerthäuser der Welt.

Ein Jahr später wollen wir wissen: Was ist denn nun damit? Kann die Elphi mithalten mit dem Konzerthaus in Wien, mit der Carnegie Hall in New York oder mit der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles – oder ist sie gar besser? Klare Antworten haben wir kaum zu hören bekommen.

Die erste Kritik am Klang wurde sofort nach dem Eröffnungskonzert laut, als ein Musikkritiker schrieb: „Liebe Hamburger, Weltklasse geht leider anders.“ Jeder unsaubere Bogenstrich, jedes Hüsteln im Publikum komme direkt und ungefiltert beim Zuhörer an. Vom Gesang sei kaum was zu hören, gleichzeitig flögen dem Besucher die Ohren weg, wenn das Orchester auch nur ein bisschen forte spiele…

Nanu, wie ist denn so etwas möglich, dachte damals der unbefangene Zeitungsleser. War nicht noch eben davon die Rede, dass Yasuhisa Toyota, der geniale Klangarchitekt, 10.000 Gipsfaserplatten (jede Platte ein Unikat!) an die Wand des Großen Saals hatte schrauben lassen, um so einen wunderbaren Klang zu gewährleisten? Alles für die Katz?

Heute, ein paar Monate danach, gehen die Meinungen auseinander. Viele Experten attestieren dem Großen Saal einen „glasklaren Klang“ und große Transparenz. Doch das hat auch seine Schattenseiten, denn es bedeutet auch, dass die Akustik der Elbphilharmonie keine Fehler verzeiht und dass das Klangerlebnis ganz stark davon abhängt, wo der Konzertbesucher sitzt. Selbst der Hausherr, Thomas Hengelbrock, der Chefdirigent des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters, sagt: „Die akustischen Verhältnisse in der Elbphilharmonie sind bisweilen kompliziert.“

Bauliche Veränderungen, um die Akustik zu verbessern, seien in den vergangenen Monaten nicht mehr vorgenommen worden, wie Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde, beteuert. Das sei auch gar nicht nötig. „Die Akustik hat sich als herausragend erwiesen“, sagt er. Für manche Musiker sei sie allerdings eine Herausforderung, denn sie zeige „in ihrer Klarheit“ sofort, wie gut jemand spielt und ob es „noch Luft nach oben gibt“. Mit anderen Worten: Klingt die Elphi schlecht, ist der Künstler ihr nicht gerecht geworden…

Kent Nagano glaubt, dass sich der wahre Klang der Elbphilharmonie noch gar nicht richtig gezeigt hat. Die Halle sei neu, sagt Hamburgs Generalmusikdirektor im Gespräch mit der MOPO, und so, wie die Stimme eines Kleinkinds noch unfertig sei, so entwickele sich auch der Sound einer Halle mit der Zeit und sei in ständiger Entwicklung begriffen.

Schon heute sei die Akustik der Elbphilharmonie „wunderbar und faszinierend, aber ich bin sicher, erst in ein paar Jahren werden wir den Sound der Elbphilharmonie in Vollendung genießen dürfen“, so Nagano.