Gutes tun und Geld verdienen: Macht Hamburg zur Weltstadt der Nachhaltigkeit!

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Als ich vor zehn Jahren an einem Buch über Nachhaltigkeit schrieb, galt das Wort als sperrig und uncool. Heute bestimmt es Teile unseres Alltags. Aber: Hamburg hat das Thema vergurkt – und so jede Menge Potenzial verschenkt.

Irgendwann wollte jeder nachhaltig sein. Die Werbung versprach nachhaltige Produkte, Unternehmensberater forderten und entwickelten nachhaltige Strategien – kurzum: Jeder nutzte den Begriff, um irgendwie gut rüberzukommen.

Das Wort versprach alles und nix, weil es auch gerne falsch benutzt oder immer wieder nur mit Umweltschutz in Verbindung gebracht wurde. Wer nachhaltig agierte, war ganz schnell öko oder ein Alternativer – und das war für viele kein Lob. Irgendwie sah dann zwar jeder einen Sinn darin, nachhaltig zu handeln, wusste aber noch nicht genau, wie. Und irgendwie kam’s auch jedem aus den Ohren raus.

Trotzdem gibt es heute jede Menge Nachhaltigkeit in unserem Alltag. Es steht in erster Linie für Lebensqualität, nicht nur weil es das eigene Gewissen beruhigt. Die drohende Klimakatastrophe ist den meisten bewusst, beim Zähneputzen wird der Wasserhahn abgestellt und E-Autos werden langsam sexy, auch wenn sie noch zu teuer sind.

Die Hamburger Politik haut sich dabei kräftig auf die Schultern, weil sie durch Kaffeekapseln und Fahrradstreifen medienwirksam von sich reden macht. Aber das ist natürlich zu wenig.

Seit die Hansestadt 2011 zur Umwelthauptstadt des Jahres erhoben wurde, liegt kein guter Segen über den Entwicklungen in Richtung Markenkern Nachhaltigkeit. Das Marketing im Umwelthauptstadtjahr wurde verkorkst, und mitten im Regierungswechsel von Ole zu Olaf erschien dieses eigentlich gut gemeinte Siegel als schwerfällig und wenig zweckmäßig. Das nennt man wohl einen Rohrkrepierer.

Nun hat Bürgermeister Olaf Scholz seit zwei Jahren sogar noch einen grünen Regierungspartner, aber so richtig kommt Hamburg nach wie vor nicht in die Gänge, wenn es um zukunftsfähiges Handeln und Wirtschaften geht. Dabei könnte mit ein wenig Mut und Geduld das Thema zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor werden.

Aber es reicht eben nicht aus, wenn bei diesem Thema immer nur auf den Umweltsenator gezeigt wird. Nachhaltigkeit muss von allen Behörden ausgehen und gelebt werden. Viel zu wenig E-Fahrzeuge in der Senatsflotte sind nur ein Beispiel, Umweltverschmutzung im Hafen (Stichwort: Landstrom und Feinstaub) ein anderes.

In der Wirtschaftsbehörde wird immer noch mehr über althergebrachte Themen wie Handel oder HSH nachgedacht, anstatt Firmen aus Bereichen wie Ressourcenschonung, alternative Energien oder Recycling zu fördern oder nach Hamburg zu holen. Die Windmesse wurde erfolgreich aus Husum weggekauft. Aber das ist nur ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein.

Während beim Tourismus richtigerweise mit der Gießkanne Gelder in Ideen oder die Bewerbung der Stadt gegeben werden, arbeitet man bei der Nachhaltigkeit mit der Pipette. So wirkt es zumindest oft.

Noch vor 20 Jahren stand Hamburg fast ausschließlich für Hafen. Später kamen Musicals dazu. Mittlerweile sind wir zur besten Partystadt der Welt gewählt worden, die Elbphilharmonie genießt Weltruhm, das Miniaturwunderland ist eine Weltidee, Fatih Akin holt uns den Golden Globe und man hat den Eindruck, die halbe Weltbevölkerung will uns besuchen kommen.

Hamburg mutiert also zur Weltstadt. Die Hamburger Hotels schreiben Jahr für Jahr Rekordzahlen. Die Ausgangslage ist bestens. Aber Wachstum und Boom allein sind keine Botschaft, kein Inhalt, kein Markenkern. Und vor allem ist bloßes Wachstum neben all den Vorteilen mit vielen, vor allem sozialen Risiken verbunden. Verkehrschaos, Luftverschmutzung, soziale Verdrängung: Davon kann man in London, Paris und Co. ein Lied singen…

Deswegen muss der Senat jetzt – denn wann, wenn nicht jetzt? – beginnen, in jedem Bereich nachhaltig zu denken. Bei jedem Projekt also Ökonomie, Ökologie und Soziologie sorgfältig abwägen.

Die Menschen sind schon lange bereit. Was fehlt, sind die Gelegenheiten! Nur ein klitzekleines Beispiel: In Amsterdam gibt es in jeder zweiten Straße die Möglichkeit, sein Auto energietankend zu parken. Und nachdem nun in Reichweite zu meiner Wohnung eine (!) E-Säule aufgestellt wurde, denke auch ich intensiv über ein E-Auto nach.

Gutes Marketing und Geldverdienen – davon verstand man in Hamburg immer recht viel. Aber der soziale Frieden, unsere Zukunft und der Erhalt der Erde sind ja auch nicht ganz unwesentlich. Im Kleinen wie im Großen ist es zwar mühsam und anstrengend, nachhaltig zu denken und zu handeln, aber am Ende überlebenswichtig.

Und das Allerbeste ist: All das passt bestens zusammen! Denn die Zukunftsstadt Hamburg ist eine Stadt, die vorangeht und mutig ist. DAS ist eine Botschaft, die sehr lange und weit trägt. Nach innen wie nach außen.