HafenCity: Der Shopping-Gigant, der die City zittern lässt

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Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, in etwa drei Jahren soll es fertig sein, das südliche Überseequartier. Ein Bauprojekt mit gigantischen Ausmaßen, das der HafenCity noch einmal ein neues Gesicht geben wird. Und das jetzt schon für reichlich Gesprächs- und Diskussionsstoff sorgt. Für über eine Milliarde Euro entstehen nicht nur rund 2400 Büroarbeitsplätze, etwa 650 Wohnungen, drei Hotels, ein Kino, diverse Restaurants und Gaststätten und ein neues Kreuzfahrtterminal, sondern vor allem auch ein Einkaufszentrum der Superlative mit rund 200 Geschäften auf drei Ebenen. Das soll auch wegen der geplanten außergewöhnlichen Architektur und des zukunftsweisenden Geschäfts-Konzepts zum Shopping- und Sightseeing-Erlebnis für Hamburg-Besucher und Hamburger werden – mit Folgen für die Innenstadt.

Geplant und gebaut wird das südliche Überseequartier von der französischen Immobiliengruppe Unibail-Rodamco. Andrea Eggers, Marketing-Chefin des Unternehmens, sagt: „Die 14 Gebäude des Quartiers sollen durch die unterschiedlichen Nutzungen das südliche Überseequartier zu einem urbanen Zentrum machen, das die gesamte HafenCity nachhaltig beleben wird.“

Shopping-Tempel der Superlative in der HafenCity

Auf knapp 81.000 Quadratmetern entstehen rund 200 Shops, darunter diverse Flagship Stores mit neuen Marken, die Konsumenten bislang nur in anderen deutschen Großstädten oder im Ausland vorfinden. Anstatt einer voll klimatisierten Shopping-Mall sollen offene Geschäftsstraßen mit gläsernen Dächern entstehen.

Das Einkaufserlebnis selbst soll zukunftsweisend und außergewöhnlich sein. So sind übergroße Indoor-Screens geplant, die Besucher in eine künstliche Digital-Installation eintauchen lassen. „Iconic Shopfronts“ sind neuartige Fassadenelemente, mit denen Einzelhändler ihre Schaufenster individualisieren können. Eine Markthalle, inspiriert durch Street-Food-Märkte, die es zum Beispiel in Asien gibt, soll Besucher zum Bummeln und Probieren und natürlich zum Kaufen anregen. Außerdem ist eine Designer Gallery geplant, die mit Einzelhändlern und Künstlern zusammen Projekte inszeniert und in einer Lounge-Umgebung präsentiert.

Das gesamte Quartier wird schon von Weitem sichtbar und prägend für Hamburg sein – so werden zwei 60 Meter hohe Türme in der Mitte und ein 70 Meter hohes Bürogebäude am Magdeburger Hafen entstehen. Der vorherrschende Backsteincharakter wird hier aufgelöst in helle, gläserne Fassaden, die Fluss, Hafen und Himmel widerspiegeln. Weitläufige Terrassen mit Sitzgelegenheiten und Blick auf das Wasser sollen jedem Besucher offenstehen.

Auch ein neues Verkehrskonzept ist in Planung. Die Logistik für Dienstleister und Versorger soll unterirdisch abgewickelt werden. Die U4 fährt noch 2018 bis zum neuen U-Bahnhof „Elbbrücken“, auch Bus, S-Bahn und Barkassenstationen wird es in unmittelbarer Nähe geben. Fähren sollen zu den Theatern und zur Elbphilharmonie fahren. Für Busse und Lkw wird es ein Einfahrtverbot nach 22 Uhr geben. Wohnungseigentümer aus der HafenCity sorgen sich jetzt schon wegen des zu erwartenden Verkehrsaufkommen – mit rund 25 .000 zusätzlichen Fahrzeugen ist am Tag zu rechnen, befürchten sie.

Unibail-Rodamco–Deutschlandchef Andreas Hohlmann sieht etwaigen Klagen gelassen entgegen. Man setze auf einen offenen Dialog mit den Kritikern des Projektes.

Wie reagiert die Innenstadt auf die Konkurrenz?

Nicht nur die Wohnungseigentümer schauen genau hin, was dort in der HafenCity passiert. Denn für die Geschäfte rund um die Binnenalster wächst mit dem südlichen Überseequartier ein großer Konkurrent heran. Um die Besucher in der Innenstadt zu halten, hat die CDU in dieser Woche einen spektakulären Plan präsentiert. Die Idee: eine „Alsterpromenade“ zur Belebung der Binnenalster.

Konkret stellt sich die CDU-Fraktion das ungefähr so vor: Am Ballindamm und am Neuen Jungfernstieg sollen dem Ufer vorgelagerte Pontons errichtet werden. Dort sollen dann jeweils fünf bis sieben Gastro-Betriebe für ein maritimes und urbanes Flair sorgen. Auf der Seite des Ballindamms wären die neuen Flächen 500 Meter lang, gegenüber etwa 350 Meter. Die bis zu 14 Meter breiten Pontons sollen dabei wellenförmig verlaufen.

Die internationalen Restaurants sollen vor allem abends für mehr Leben rund um die Binnenalster sorgen. „Tagsüber ist die Hamburger Innenstadt sehr belebt. Das ändert sich nach Feierabend und am Wochenende abends allerdings schlagartig“, sagt CDU-Wirtschaftsexperte David Erkalp. Seit zehn Jahren trage er die Idee zu dem Vorhaben mit sich herum, so der CDU-Abgeordnete. „Wir glauben, dass es Zeit wird, ein Projekt für die nächsten 100 Jahre in die Wege zu leiten. Auch aus wirtschaftlichen Gründen müssen wir schauen, dass wir die City verschönern“, sagt er. Die CDU schlägt außerdem vor, an der Ecke Ballindamm/Glockengießerwall eine Freifläche einzurichten, die zu einer kleinen Picknick-Ecke werden könnte. Hier könnten auch Paddler eine Pause einlegen, denn es sind Anlegeplätze für Ruderboote geplant. „Die Alsterpromenade wird die Lebensqualität der Hamburger erhöhen“, sagt Erkalp.

Bei Vertretern der Wirtschaft löst die Idee der CDU Begeisterung aus. „Der Vorschlag ist eine gute Antwort auf das, was wir in der Innenstadt brauchen. Die Stadt würde an Individualität gewinnen und die Binnenalster würde näher an die Hamburger gerückt“, sagt Brigitte Nolte, Geschäftsführerin des Handelsverbands Nord. Die Umweltschutzbehörde meldete hingegen Bedenken an. Die Verkleinerung der Wasserfläche hätte Auswirkungen auf die Strömungsverhältnisse und die Ökologie des Gewässers.

Wie viel die Antwort auf das südliche Überseequartier in der HafenCity kosten würde, ist noch unklar. In der Bürgerschaft soll deshalb bald eine Machbarkeitsstudie beantragt werden. Eins jedoch steht fest: Kampflos wird die Innenstadt die zahlreichen Besucher nicht hergeben.

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