Happy Birthday, Elphi!: Das denkt die MOPO heute über das Wahrzeichen

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Vor 15 Jahren wurden die Pläne für die Elbphilharmonie erstmals präsentiert – seitdem hat das Jahrhundertprojekt niemanden kaltgelassen, auch bei der MOPO nicht: Wir haben sie bejubelt und verflucht, den Bau begeistert begleitet und die Fehler dabei schockiert angeprangert.

Am heutigen Donnerstag feiert die „Elphi“ ersten Geburtstag – und sechs MOPO-Redakteure erklären hier, wie sie jetzt über das Bauwerk denken. 

„Die MOPO als Geburtshelfer eines großartigen Baus“

Thomas Hirschbiegel (58), Chefreporter: „Ein ganz klein wenig hat die MOPO ihren Anteil daran, dass der Prachtbau heute steht. Nachdem das Echo auf eine Präsentation des Bauwerks im Juni 2003 mager war, wandten sich Ideengeber Alexander Gerard und Bauunternehmer Dieter Becken zwei Monate später an mich und baten um Unterstützung. 

Am 25. August 2003 erschien der erste große Bericht bei uns, Tage später zogen andere Zeitungen nach. Und siehe da: Plötzlich reagierte das Rathaus. Bürgermeister Ole von Beust gab seine skeptische Haltung auf und wurde zum Elphi-Fan.“

„Ein grandioses Projekt, das viel Schaden angerichtet hat“ 

Mathis Neuburger (37), Hamburg-Chef: „Die Idee, etwas Großes, Einzigartiges zu bauen, faszinierte mich immer. Es erinnerte mich an die Kirchen des Mittelalters – verrückte, verschwenderische Projekte, vor denen wir noch heute staunend stehen. Mehrfach stapfte ich über die Baustelle und wusste: Das wird gigantisch. 

Parallel schrieb ich Dutzende Artikel über die Fehler des Senats, hörte die peinlichen Ausflüchte im Untersuchungsausschuss. Die Elphi ist ein Gewinn für die Stadt, ihre Entstehung aber hat viel Schaden angerichtet. Ich wünsche mir deshalb, dass jedes Schulkind sie einmal besuchen kann.“ 

„Ich setze weiterhin keinen Fuß in dieses Millionengrab“

Lars Albrecht (37), stellvertretender Sportchef: „Trotz der modernen Medizin werde ich im Jahr 2878 vermutlich nicht mehr am Leben sein. Dann soll sich das Millionengrab Elbphilharmonie nach aktuellen Berechnungen selbst bezahlt haben. Bevor das nicht der Fall ist, werde ich keinen Fuß in dieses Gebäude setzen.

Denn ich bleibe auch nach einem Jahr dabei: Ein größenwahnsinniges Projekt, das uns Steuerzahler über 700 Millionen Euro (!) mehr als anfangs geplant gekostet hat, passt nicht zu meinem Hamburg. Da gehe ich lieber weiterhin auf unser echtes Wahrzeichen: den Michel.“

„Jetzt muss nur noch die Etikette stimmen“ 

Nadine Rinke (40), Chefin vom Dienst Lokales: „Ja, das Ding war verflixt teuer. Und, ja, ich finde es trotzdem gut. Die Elbphilharmonie strahlt – und das weit übers Hafenbecken hinaus. Daraus was zu machen, von dem auch die Hamburger wirtschaftlich profitieren, ist Sache der Stadt. Künstlerisch klappt das ja schon gut: Weltstars aller Genres waren hier, der Laden brummt.

Das ist schön – und ein Problem: Weil jeder mal drin gewesen sein will, gibt’s nie Karten. Wer es reinschafft, ist oft nur neugierig. Und verlässt nach ’ner halben Stunde den Saal, um sich an die Bar zu setzen. Die Marke Elphi mag stimmen, jetzt müssen die Besucher an der Etikette arbeiten.“ 

„Begeisterung flutete alle Kritik hinfort“

Simone Pauls (43), Lokalredakteurin: „Was habe ich mich aufgeregt. Ein Prestigebau, den keiner braucht! Nur Klassik, wie öde! Geldverschwendung! Jetzt bin ich Fan. Alles fing an damit, dass ein Konzert der Einstürzenden Neubauten dort angekündigt wurde, einer Indie-Krachmacher-Band.

Plötzlich sah ich mich hektisch nach Karten herumtelefonieren (wie meine Elphi-kritischen Freunde auch). Als ich dort war, flutete die Begeisterung alle kritischen Gedanken hinfort. Was für ein Gebäude! Ein glitzerndes Kunstwerk, ein Diamant im Hafen. Zwar braucht noch immer niemand eine Elbphilharmonie. Aber schön, dass sie da ist.“  

„Mit der Elphi drauf sieht jedes Foto besser aus“

Florian Quandt (41), Fotograf: „Eines vorweg: Ich habe noch kein Konzert in der Elbphilharmonie gehört. Die Akustik ist eh nebensächlich, mich interessiert eher die Optik. Und die ist ikonisch. Die Elphi ist längst ein fester Bestandteil der Hamburger Skyline und dort nicht mehr wegzudenken.

Egal ob Sonnenaufgänge, Nebel oder Abendstimmung – jedes Foto sieht besser aus, wenn die markanten Zacken des Bauwerks ins Bild ragen. Auf Instagram liken sich die Betrachter die Finger wund, sobald sie ihre Elphi sehen. Sie ist für mich sozusagen die teuerste Foto-Requisite der Welt – dafür liebe ich sie.“