Historische Entwürfe aufgetaucht: So hätte das Hamburger Rathaus auch aussehen können

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Schon mal von Alfred Bluntschli gehört? Nein? Immerhin hat der Schweizer Architekt 1876 den 1. Preis beim Wettbewerb für das Hamburger Rathaus gewonnen – doch umgesetzt wurde der Entwurf nie. Lesen Sie hier, warum die Hamburger sich gegen Bluntschli und für den heutigen Bau entschieden.

Ein Antiquar in Hoheluft bietet gerade eine Mappe mit nie realisierten Rathaus-Entwürfen an. Und die zeigen: Die Planungs- und Baugeschichte des Hamburger Rathauses ähnelt der der Elbphilharmonie. Nur dass damals alles noch viel schlimmer war.

1842 war das alte Rathaus an der Trostbrücke gesprengt worden. Man wollte so die verheerenden Flammen des Großen Brandes stoppen. Hat leider nicht ganz geklappt …

1854: Mit dem Gewinner-Entwurf können sich die Hamburger nicht anfreunden

Der Senat entschied später, an der Kleinen Alster ein neues Rathaus zu errichten. 1854 gab es einen ersten Architektenwettbewerb. 43 Entwürfe wurden eingereicht. Es gewann George Scott, der Erbauer der Nikolaikirche.

Die Hamburger konnten sich mit seinem Entwurf im Stil der Gotik aber nicht anfreunden. Eine Wirtschaftskrise 1857 und der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 verzögerten dann weitere Rathaus-Planungen.

1876: Alfred Bluntschli gewinnt den zweiten großen Wettbewerb

1876 dann beteiligten sich fast 150 Architekten am zweiten großen Wettbewerb. Es gewann besagter Alfred Bluntschli, der immerhin den Wiener Zentralfriedhof entworfen hatte. Den zweiten Platz machte der Wiener Star-Architekt Otto Wagner.

Insgesamt wurden acht Entwürfe prämiert und ein Hamburger Verlag gab eine großformatige Mappe mit dem Titel „Die prämierten Entwürfe der Hamburger Rathaus-Concurrenz“ heraus. Besagte Mappe bietet derzeit der Antiquar Dr. Ulrich Lölke für 420 Euro an der Hoheluftchaussee an. Mit Kuppel, mit Eckturm, ganz ohne Turm – eine bunte Architektur-Vielfalt kann man hier betrachten.

1880: Der „Rathausbaumeisterbund“ wird gegründet

Doch den Hanseaten sagte wieder keiner der Entwürfe zu. Schließlich ergreift Senatorensohn Martin Haller die Initiative. Schon als Schüler hatte sich der spätere Architekt am ersten Rathaus-Wettbewerb 1854 beteiligt. Das Thema ließ ihn sein Leben lang nicht los.

1880 gründete Haller mit weiteren Hamburger Architekten den „Rathausbaumeisterbund“. Ihren gemeinsamen Entwurf segnete der Senat ab. 1886 war Baubeginn und am 26. Oktober 1897 wurde unser heutiges Rathaus feierlich eingeweiht.

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