Holt er den Oscar?: So profitiert Hamburg schon jetzt von Fatih Akins Erfolg

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Holt Fatih Akin den Oscar nach Hamburg? Am Dienstag könnte der Regisseur mit seinem Film „Aus dem Nichts“ die nächste Hürde auf dem Weg zum wichtigsten Filmpreis der Welt nehmen. Dann gibt die Academy in Los Angeles die finalen Nominierungen für die Verleihung am 4. März bekannt. Doch egal ob Oscar-Gewinn oder nicht: Hamburg profitiert bereits von Fatih Akins Erfolgsfilm, der international Beachtung findet.

 „Mit dem Golden Globe und dem Critics‘ Choice Award für Fatih hat das Jahr gut begonnen. Wir merken auf jeden Fall, dass das Interesse am Filmstandort Hamburg nicht zuletzt deswegen noch einmal deutlich gestiegen ist“, sagt Maria Köpf, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH).  „Es gibt deutlich mehr Anfragen aus dem Ausland. Fatihs Erfolg hilft uns sehr.“

Akins NSU-Drama (hier lesen, was der Hamburger über den Film sagt) mit Hauptdarstellerin Diane Kruger, die für ihre Rolle bereits bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet wurde, steht mit acht weiteren Produktionen auf der Oscar-Shortlist für den besten nicht-englischsprachigen Film, fünf von ihnen kommen in die Endrunde. „Für die Nominierung rechnen wir ihm ziemlich gute Chancen aus und für die Verleihung drücken wir fest die Daumen“, sagt Köpf.

Für „Aus dem Nichts“ drehte Akin größtenteils in Hamburg (mehr über die Dreharbeiten auf dem Kiez lesen Sie hier) und wurde auch von der FFHSH mit Fördergeldern unterstützt. „Solch große Projekte mit weltweiter Resonanz rücken natürlich unseren Standort deutlich ins Rampenlicht, weil sie zeigen, was für tolle Locations und Talente wir in Hamburg haben“, betonte Köpf.

„Was die Höhe der Fördermittel betrifft, können wir nie mit großen Medienstandorten wie NRW, Berlin und Bayern konkurrieren, da verfügen wir über wesentlich weniger Gelder. Aber einen guten Standort macht auch aus, dass man in der Lage ist, etwa durch solche Projekte den eigenen Spirit einer Stadt zu verkörpern. Nach dem Motto: Es gibt Berlin, aber es gibt auch eine zweitgrößte deutsche Stadt. Das ist Hamburg – und das ist besonders.“

Bald wird die nächste große US-Produktion in Hamburg gedreht

Rund 13 Millionen Euro umfasst der Jahresetat der FFHSH für Hamburg und Schleswig-Holstein, in den unter anderem 8,2 Millionen Euro von der Hansestadt und 800 .00 Euro aus Schleswig-Holstein fließen. „Im Hamburger Kulturhaushalt sind wir neben der Elbphilharmonie und den Theatern ein relativ kleines Schiff“, sagte die Geschäftsführerin. „Aber Filmpreise wie der Golden Globe lenken natürlich auch noch mal eine ganz andere Aufmerksamkeit auf Hamburg. Und ein weltweit bekannter Kulturstandort ist wichtig für den Wirtschaftsstandort.“

108 Produktionen drehten Filmemacher im vergangenen Jahr im Norden: in Hamburg an 1526 Drehtagen und an 415 in Schleswig-Holstein.

Bereits in den nächsten Wochen werde für ein große US-Produktion in Hamburg gedreht, berichtete Köpf. Zuvor aber startet am 25. Januar im Kino ein weiterer, teils in Hamburg entstandener und geförderter Film – von und mit zwei echten Hamburgern: „Nur Gott kann mich richten“ von Özgür Yildirim (Regie) und Moritz Bleibtreu (Hauptdarsteller und Co-Produzent).

Wenig später steht eine von der FFHSH geförderte Produktion im Wettbewerb der Berlinale (15. bis 25. Februar 2018): Regisseurin Emily Atefs Drama „3 Tage in Quiberon“ über das berühmte Interview, das „Stern“-Journalist Michael Jürgs 1981 mit Romy Schneider (1938-1982) führte.

Eine Woche nach der Berlinale steht die Oscar-Verleihung an – mit vielleicht „Aus dem Nichts“ unter den Nominierten. Beim Bayerischen Filmpreis holte sich das Werk des Hamburgers am Freitagabend weitere Preise: für Kruger als beste Hauptdarstellerin und für Akin als besten Regisseur.

Auch über die Auszeichnungen für den Film „Simpel“ (Frederick Lau und David Kross gewannen als beste Hauptdarsteller) und den Animationsfilm „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ (als bester Kinderfilm) freute man sich bei der FFHSH – zwei von ihr ebenfalls geförderte Produktionen.