In der Elphi: Türkischer Journalist Dündar wirbt um Verständnis für Flüchtlinge

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In einer Rede in der Elbphilharmonie hat der türkische Journalist Can Dündar um Verständnis für Flüchtlinge geworben. „Wenn Sie einen lächelnden Migranten sehen, denken Sie an das Leiden, das hinter diesem Lächeln steckt“, rief der im Berliner Exil lebende ehemalige Herausgeber der Zeitung „Cumhuriyet“ am Montag seinen rund 400 Zuhörern zu.

Es sei Zeit, die Flüchtlinge in Deutschland zu akzeptieren. Dündar erinnerte an zahlreiche deutsche Exil-Autoren der Nazi-Zeit wie Stefan Zweig, Theodor Adorno oder Thomas Mann.

Im Exil könne ein Schriftsteller zerbrechen, aber auch einen neuen Weg finden. Allerdings könne das Exil auch ein Minenfeld sein. Mancher Autor mache sich mit den Herrschenden gemein. Alexander Scholschenizyn sei für seine Kritik am sowjetischen Lagersystem Archipel Gulag in Erinnerung, aber auch für seine Verurteilung Amerikas, weil sich die USA zu früh aus Vietnam zurückgezogen hätten.

Dündar kritisiert europäische Waffenexporte

Dündar, der im Rahmen der „Tage des Exils“ der Hamburger Körber-Stiftung sprach, kritisierte europäische Waffenexporte. Die Waffen würden in Kriegen eingesetzt, die Menschen in die Flucht trieben. 84 Prozent der 65 Millionen Flüchtlinge weltweit lebten in Entwicklungsländern. Europa habe die Tür dichtgemacht und verschließe die Augen vor dem Problem. Immer mehr Europäer sähen ihre Jobs, Städte und ihren Lebensstil durch Flüchtlinge bedroht und wollten die Mauern noch höher bauen.

Eine neue Regierung könnte die Flüchtlinge zurückschicken. „Aber dann können Sie sicher sein, die meisten von Ihnen werden sich wie Migranten im eigenen Land fühlen“, sagte Dündar.

Dündar lebt seit mehr als zwei Jahren im Exil

Der 57-jährige Journalist lebt seit mehr als zwei Jahren in Deutschland im Exil. Er war in seinem Heimatland wegen eines Artikels zu Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts nach Syrien zu fünf Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

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