Katrin Habenschaden: So wollen Münchens Grüne von Hamburg lernen

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„Ich schaue voller Neid nach Hamburg“, lacht Katrin Habenschaden. Die Münchener Fraktionsvorsitzende der Grünen war vergangene Woche auf Hamburg-Besuch. 2020 will sie als Oberbürgermeisterin in München kandidieren und hat sich Inspiration bei den hiesigen Grünen geholt. Im Interview mit der „Zeit“ hat sich herausgestellt: Die beiden Städte haben mehr gemeinsam, als man zunächst vermutet.

Im Interview mit der „Zeit“ schwärmte die Oberbürgermeisterin-Kandidatin regelrecht von Hamburg. „Bei meinem Besuch konnte ich Hamburger Grüne kennenlernen, die vor Ideen für ihre Stadt nur so sprudeln“, erzählte Habenschaden. Vor allem die städtebauliche Weiterentwicklung Hamburgs wurde unter den Politikern thematisiert. Im Gespräch mit Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank ging es dann um das tägliche Leben – die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Einige dieser guten Ideen wolle sie auch in München versuchen umzusetzen.

Hamburg als Vorreiter für diverse Projekte

In einigen Dingen sei Hamburg München voraus, wie zum Beispiel beim Thema autofreie Stadt. Das autofreie Ottensen sowie auch das Rathausquartier seien gute Beispiele dafür.

„Das haben die Grünen in München schon vor Jahren beantragt, wir hätten gern die Altstadt autofrei, jetzt traut sich die Stadt immerhin mal an einen einzelnen Platz heran, wenn auch in einem anderen Viertel.“ Beim Thema temporäre Sommerstraßen stellen sich CSU und SPD allerdings quer. Auch das hätten die Grünen in München gerne durchgesetzt.

Außerdem plane München eine internationale Bauausstellung, wie es sie von 2006 bis 2013 in Hamburg gab. Während ihres Besuches habe sich Habenschaden das Gelände angeschaut und sich informiert, was das Projekt Hamburg wirklich gebracht hat – und ob es sich auch für ihre Stadt lohnen würde.

Hamburg kann aus Münchens Fehlern lernen

Aber auch Hamburg kann etwas von München lernen, wenn auch aus dessen Fehlern. In Sachen Verkehr sei die Lage dort nämlich noch schlimmer. Der Fehler: „Die Stadt hat in den letzten Jahren lediglich mit kleinen Maßnahmen nachgebessert – anstatt das Problem konzeptionell anzugehen. Die Stadt wächst, aber die Stadtfläche ist nicht vergrößerbar, auch die Verkehrsfläche nicht.“ Laut einer Prognose des Planungsreferats München gebe es bald nur noch eine einzige Rushhour am Tag – von sechs bis 21 Uhr. Die fehlende Entscheidungsfreude sei ein Fehler, den Hamburg vermeiden könnte.

Beim Thema Wohnungssituation dürfe Hamburg laut Habenschaden „keinen Hebel ungenutzt lassen“. München habe beispielsweise in Teilen der Stadt Luxussanierungen und teure Weitervermietung verboten. Neue Gebiete sollten so flächensparend wie möglich bebaut werden, denn gerade in der Stadt brauche man genug Grünflächen.

Leben in Hamburg? Für Habenschaden nicht undenkbar

Die Frage, ob Habenschaden nicht doch lieber in Hamburg leben möchte, beantwortet sie mit: „Vielleicht mal für einige Zeit, wer weiß – das würde mir, glaube ich, gut gefallen.“ Vor allem auf die Elbphilharmonie sei sie neidisch. „Die ist wirklich sagenhaft, darauf kann Hamburg stolz sein.“

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