Konzert in der Elbphilharmonie: Felix Klieser spielt Horn – ohne Arme

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Normalität: Für Felix Klieser (28) gehört diese zu den wichtigsten Dingen im Leben. Nur keine Extrawürste, nur keinen Fokus auf seine Spieltechnik richten – alles ganz normal. Auch wenn es natürlich schon ein wenig ungewöhnlich gewesen ist, dass ein vierjähriger Junge unbedingt Horn spielen wollte. Warum? Der Niedersachse lacht: „Vielleicht habe ich das Instrument damals in irgendeiner Kindersendung gesehen, möglicherweise beim Sandmann …“

In der Familie war und ist jedenfalls niemand Musiker, geschweige denn Blechbläser – und so war die Skepsis seinerzeit denn auch groß, als sich der Steppke ausgerechnet das schwierigste aller Blasinstrumente auswählte. Zwar hat dieses mehrere Meter lange, gewickelte Rohr eine beeindruckende Klangfarbpalette, mit der sich große Gefühle wecken lassen – nur leider sorgt jeder nicht zentral getroffene Ton auch für ziemlich schräge Kiekser.

Nicht so bei Klieser: Faszinierend seine Tonschönheit und Ausdruckstiefe, virtuos bedient der heute 28-Jährige die Ventile an seinem Horn mit den Zehen des linken Fußes. Fußes? Ja, denn der Hornist ist ohne Arme geboren. Alles andere als ein leichtes Los – das der Göttinger nie thematisiert, allenfalls als Herausforderung gesehen hat.

So hängt das Instrument auf einem in Kopfhöhe fixierten Stativ. Und statt wie Kollegen den Schalltrichter mit der rechten Hand zu stopfen, um die Farbe des Klangs zu beeinflussen, hat er sich als Tüftler betätigt. Ergebnis: Auf einem weiteren Stativ ruht ein Stoßdämpfer, der sich mit dem rechten Fuß in den Trichter hinein- und wieder herausrollen lässt. Kein Hexenwerk, sondern musikalischer Alltag für den ideenreichen jungen Mann.

Verwundert es da noch, dass Klieser längst in den großen Konzertsälen dieser Republik für seinen runden und warmen Klang gefeiert wird? Mittlerweile hat er bereits sein viertes Album veröffentlicht (Mozarts Hornkonzerte – „davon habe ich schon als Junge geträumt!“). Am Sonntag stellt er es mit dem Zemlinsky Quartet in der Elbphilharmonie vor. Das ganz normale Leben eines Klassikvirtuosen eben.

Elbphilharmonie: 10.3., 19.30 Uhr, Restkarten evtl. an der Abendkasse

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