Konzert in der Elbphilharmonie: So klang Bernd Begemann noch nie

Veröffentlicht

Die Low-Carb-Diät ist ihm fabelhaft bekommen: Bernd Begemann sieht in seinem dunkelgrauen Glanzanzug wie ein Künstler von Weltformat aus, als er am Montag den Kleinen Saal der Elbphilharmonie zum Heimspiel betritt. Es ist nicht nur die Weltpremiere seines Freitag erschienenen Albums „Die Stadt & das Mädchen“, es ist auch Begemanns Elphi-Premiere.

Etwas ehrfürchtig taumelt der 55-Jährige anfangs noch vor dem schwarzen Flügel, hinter dem Kai Dorenkamp, Pianist von Begemanns Band Die Befreiung, Platz nimmt. Am Nachmittag hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ihren Proben beigewohnt. Im „ZDF Morgenmagazin“ war Begemann jüngst auch schon. Irgendwie scheint sich für den  Künstler gerade alles zu fügen.

Und das, obwohl er mit seinem romantischen Liederzyklus über eine Frau in der Großstadt seine Komfortzone verlässt: Ein Dutzend Stücke aus drei Jahrzehnten   präsentiert er an diesem Abend in minimalistischer Neuvertonung.

Auf die Clownsmaske, die Begemann zum besten Club-Entertainer der Stadt machte, verzichtet er dafür genauso wie auf seine Band. Geradezu nackt steht er hinter dem Mikrofon, trägt zu den Klavierklängen innig und ohne ablenkende Ansagen seine charmanten Geschichten vor.

 Begemann zeigt dabei eine Reife und Tiefe, die ihm ungeahnt gut steht. Ab und an schraubt er seine Stimme dafür bis zum Falsett hoch. „Was macht Miss Juni im Dezember…?“ heißt der Mini-Hit seines Albums. Und  „Teil der lebendigen Stadtteilkultur“ ist wie gemacht für die neue Elphi-Reihe „Made in Hamburg“, in deren Rahmen Begemann auftritt.

„Beim Punkrock kann man Leute abklatschen, aber hier eher nicht… Wir lernen noch“, meint er am Ende des ersten Konzertteils. Nach der Pause wird es merklich lockerer. Er begleitet er sich selbst an der Gitarre bei Hymnen wie „Fernsehen mit deiner Schwester“ oder „Oh St. Pauli“. Ein rundum runder Abend!