Kreuzfahrt-Interview: Hamburger MSC-Chef: „Alle unsere Schiffe bekommen Landstrom"

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Christian Hein wurde in Hamburg geboren und ist seit April 2019 Deutschland-Geschäftsführer bei MSC Cruises. (Bild: hfr)

Am 9. November tauft MSC Cruises das neueste Schiff der Flotte im Hamburger Hafen. Der Hamburger Jung Christian Hein ist seit April dieses Jahres der Geschäftsführer des deutschen Büros von MSC. Im MOPO-Business-Talk geht es neben der Taufe auch um die Themen Umwelt, LNG und Wachstum.

MOPO: Sie haben Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Wie kamen Sie in die Tourismusbranche?

Christian Hein: Als ich begriffen habe, dass ich es nicht auf den Mond schaffe, bin ich in die Flugzeugbranche gegangen, war lange bei Lufthansa – vielleicht, weil ich in Langenhorn in der Einflugschneise aufgewachsen bin. Da sind uns damals fast die Scheiben geplatzt, weil die landenden Flugzeuge noch richtig laut waren. Bin also durch und durch Touristiker. Nach einem Ausflug zu Eurowings bin ich dann in die Versicherungsbranche ausgebüxt.

Etwas ganz anderes …

… ja, aber was sehr interessant ist, wenn man den Vertrieb und Menschen liebt.

Und dann klopfte MSC Cruises an?

Das war eigentlich Zufall, aber da konnte ich nicht nein sagen. Das ist ein sehr gutes Unternehmen und ich bereue nichts. So bin ich jetzt in der Kreuzfahrt.

Und Ihr letzter Urlaub war dann natürlich auf einem Kreuzfahrtschiff?

Das klingt etwas konstruiert, aber es ist wirklich wahr. Mein letzter Urlaub war auf der „MSC Bellissima“ im westlichen Mittelmeer.

Als Touristiker haben Sie die Welt kennengelernt. Was war Ihre schönste Reise?

Das fällt mir wirklich schwer. Ich habe viele schöne Reisen gemacht. Da geht es eigentlich auch gar nicht um Weite. Ich war zum Beispiel in diesem Jahr mit meinen beiden Töchtern an der Ostsee in Niendorf und das war wunderbar.

Aber jetzt sind Sie nur noch auf Schiffen unterwegs?

Nein, das möchte ich eigentlich nicht. Aber natürlich werde ich alle unsere Schiffe einmal besuchen. Bei 17 Schiffen gibt es noch viel zu entdecken.

Sind Sie seefest?

Ja, absolut. Ich bin einmal bei einem heftigen Sturm und wirklich hohem Seegang nach England über den Kanal gefahren und da ging es allen schlecht, nur mir nicht. Ich hätte auch noch fast eine Wurst gegessen. Habe ich aber aus Rücksicht auf die Mitreisenden dann doch nicht. Aber mir machen Wellen nichts aus.

Zurzeit findet ja eine heftige Diskussion zum Thema Umweltschutz und Kreuzfahrt statt. Können Sie die ja zum Teil hitzige Debatte verstehen?

Ja und nein. Ich kann sehr wohl verstehen, dass Kreuzfahrten im Rahmen der Umweltdebatte mitdiskutiert werden. Aber jeder, der fossile Brennstoffe verbrennt, belastet die Umwelt. Punkt. Mit jedem Schiff, das noch kommt, wird es ein bisschen mehr, es sei denn, wir machen die Schiffe sauberer. Dass es allerdings so prominent in den Medien ist, stört mich schon ein bisschen. Denn: Wir reden über 300 Kreuzfahrtschiffe auf diesem Planeten, also 0,6 Prozent der Handelsschifffahrt-Flotte.

Insgesamt fahren rund 52 000 Schiffe.

Genau, deshalb ist die Diskussion über die Kreuzfahrtschiffe mir ein bisschen zu prominent.

Aber man kann die Kreuzfahrt kritisch sehen?

Natürlich und ich halte diesen Meinungsaustausch auch für gut und richtig. Wir investieren sehr viel in das Thema und im Übrigen nicht erst seit dieser Debatte. Aber diese hilft bisweilen, bestimmte Dinge etwas zu beschleunigen.

Etwas beschleunigen klingt nicht wirklich schnell …

Na ja, bei einem Neubau haben Sie einen Planungs- und Konstruktionsvorgang. Bis ein Schiff gebaut ist, gehen fünf oder sechs Jahre ins Land. Und wir wissen ja heute noch nicht genau, wie die Antriebe in sechs Jahren sein werden. Da entwickelt sich ja wahnsinnig viel.

Einige Ihrer Mitbewerber fahren mit LNG …

Flüssiggas kommt ja jetzt erst. Ich halte das für eine Brückentechnologie. Wir werden vielleicht irgendwann auf Speichersysteme gehen oder sogar ganz andere synthetische Kraftstoffe herstellen. Dem Thema stellen wir uns und entwickeln kräftig mit. So haben wir letzte Woche während des Stahlschnitts der MSC Europa – das erste Schiff der sogenannten World-Class – verkündet, dass dieses mit LNG betriebene Schiff eine Brennstoffzelle zur Strom- und Wärmeerzeugung an Bord haben wird. Man kann also sagen, dass die Kreuzfahrtbranche tatsächlich Vorreiter in der Technologieentwicklung für die gesamte Schifffahrt ist.

Beliebte Ziele wie zum Beispiel die norwegischen Fjorde dürfen bald nur noch von sauberen Schiffen befahren werden.

Das ist auch ein Grund, warum wir die Anstrengungen unternehmen. Einerseits die Umwelt und auf der anderen Seite die Restriktionen.

Alternativ gibt es ja auch noch den Landstrom z.B. in Hamburg …

Wir begrüßen sehr, dass Hamburg den Hafen massiv mit Landstrom ausstattet. Das ist eine gute Entwicklung, die vielleicht auch ein Stück weit aus der öffentlichen Diskussion getrieben wurde. Deshalb ist dieser Meinungsaustausch auch wichtig, wenn er fair bleibt. Alle MSC Kreuzfahrtschiffe, die ab 2017 in Dienst gestellt wurden – wie jetzt auch die MSC Grandiosa – sind bereits mit einem Landstromanschluss ausgestattet und alle übrigen Schiffe werden ebenfalls in der Lage sein, Landstrom zu nutzen, sobald die Anlagen da sind.

Dann muss der Strom noch kostengünstiger werden …

Landstrom ist bis heute zwei- bis dreimal so teuer wie der Strom, den wir mit unseren Maschinen erzeugen können. Aber das ändert sich jetzt über die Reduzierung der EEG-Umlage. Das ist richtig, denn ich finde nicht, dass guter Strom der teuerste sein muss. Gerade auch dann, wenn es die Umwelt in einer Stadt wie Hamburg nachhaltig schützt.

Bemerken Sie einen Buchungsrückgang gerade durch die aktuelle Umweltdiskussion?

Da kann ich nur Vermutungen anstellen. Wenn jemand keine Kreuzfahrt macht, dann gibt es meistens nicht nur einen monokausalen Grund. Meistens rümpfen diejenigen mit der Nase, die mit Kreuzfahrten als Reiseart nicht so viel anfangen können. Vielleicht gibt es eine gewisse Zurückhaltung, ja, aber ich bin fest davon überzeugt, dass sich das „Shaming“ nicht durchsetzen wird, sondern Technologie wird sich durchsetzen. Wir werden das Thema lösen, brauchen aber etwas mehr Anlauf als andere Branchen.

Die Menschen bleiben ja nicht plötzlich alle zu Hause.

Nein, ich bin mir sicher, dass auch in Zukunft viel gereist wird. Und auch das Potenzial für Kreuzfahrten im deutschen Markt ist noch groß. Es wird eine Wachstumsbranche bleiben.

Halten Sie an Hamburg als Anlaufhafen fest?

Ja. Obwohl man schon sagen muss, der Weg über die Elbe ist schon lang. Deshalb verstärken wir erst einmal Kiel mit einem Schiff. Aber langfristig planen wir auch wieder ein zweites Schiff in Hamburg. Ein Datum steht allerdings noch nicht fest.

Am 9. November tauft MSC das neue Schiff, die „MSC Grandiosa“. Was hat den Ausschlag für Hamburg gegeben?

Hamburg ist sehr stark mit MSC verbunden – auch emotional. Wir teilen die Liebe zu den Schiffen und dem Meer und ich kenne keine Stadt auf dem Planeten, die so mit dem Hafen lebt. Nicht nur zum Hafengeburtstag und den Cruise Days, die Hamburger lieben und leben den Hafen und die Seefahrt. Von daher fühlen wir uns hier sehr wohl. Außerdem ist der deutsche Markt auch sehr wichtig für MSC.

Was glauben Sie: Wird es Demonstrationen zur Taufe geben?

Ich hoffe natürlich nicht. Aber grundsätzlich ist gegen Meinungskundgebungen auch nichts einzuwenden, wenn sie mit Augenmaß geschehen und fair bleiben. Darauf baue ich und vertraue auch den Hamburger Behörden.

Was erwartet die Besucher der Taufe?

Ach, die Taufe wird toll. Wir fangen schon am Freitag an zu feiern in der Elbphilharmonie. Für die MSC Foundation gibt es ein schönes Konzert, für das jedermann Karten kaufen kann. Das Eintrittsgeld geht an die Stiftung Lebensraum Elbe für die Renaturierung der Flusslandschaft um Kirchwerder.

Und der Taufabend?

Die Taufe an sich findet vor der Elbphilharmonie statt – also nicht am Kai. Das Schiff fährt von Steinwerder einmal durch den Hafen, dreht und wird dann von einer blauen Illumination gefeiert. Wir legen eine blaue Spur durch den Hafen. Dann wird ein großes blaues Lichttor über dem Schiff gespannt und die „Grandiosa“ durch das Tor der Welt entlassen.

Wird auch für die Besucher an Land gefeiert?

Ja klar. Zwischen Elbphilharmonie und Landungsbrücken wird im MSC Village ab 16 Uhr kräftig mitgefeiert. Dort führen Wayne und Annemarie Carpendale durch das Programm. Es gibt Live-Musik von Max and Friends und wir übertragen die Taufe von Bord über zwei große Leinwände. So können alle Besucher auch unsere Taufpatin Sophia Loren sehen, die mittlerweile das 15. MSC-Schiff tauft.

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