Langsamer Beethoven: Anne-Sophie Mutter enttäuscht in der Elphi

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Lässt sich Beethoven zähmen? Leider ja. In der Elbphilharmonie entschließt sich Weltklassegeigerin Anne-Sophie Mutter, das Violinkonzert D-Dur soweit zu entkernen und zu entschleunigen, bis nur noch fahler Oberflächenglanz übrigbleibt.

Dass die Geigen-Diva im figurbetonten, türkisfarbenen Dior-Kleid auch nach über vierzig Karrierejahren mit ihrer technischen Souveränität noch zu fesseln weiß, wird erst richtig ohrenkundig in der sprudelnden Gelöstheit des Finalsatzes. Die Zugabe führt dann ins andere Extrem: So hartherzig hetzt Mutter durch die Gigue aus Bachs Partita d-Moll, als würde ihr Taxi schon mit laufendem Motor draußen warten.  

Mutters Musizierpartner, das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Antonio Pappano, nehmen sich dagegen Zeit und präsentieren sich noch einmal von ihre Schokoladenseite – mit Richard Strauss’ʼ spätromantischer Tondichtung „Ein Heldenleben“. Mit klar strahlendem Blech, kokett schnatternden Holzbläsern, frei atmenden Streichern und schillerndem Harfen-Zwirn lässt Pappano sein Orchester in allen Farben aufleuchten, während Konzertmeister Roberto González-Monjas mit seinem ebenso stilvollen wie mutigen Zugriff auf der Solo-Geige helle Begeisterung auslöst.

Am Ende belohnte das Publikum seine gar nicht zahmen „Helden“ mit reichlich Applaus.