„Las Vegas“-Faktor: Das schätzen Digital-Stars Westermeyer, Schrader & Co. an Hamburg

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Mittwochnacht, Hinterhof in Ottensen, geschlossene Gesellschaft: Großes Gipfeltreffen der vier Chefs der großen Digital-Konferenzen in Hamburg. Erstmals sprachen sie offen miteinander über Hamburg, ihr Millionen-Business und ein „unmoralisches“ Angebot aus Valencia.

Zwischen Reeperbahn, Messehallen und Alster finden Jahr für Jahr Online-Marketing-Rockstars, NEXT, d3con und Publisher Business Conference statt und locken zehntausende Besucher an. Die Macher der großen Hamburger Digital-Konferenzen und -Festivals sind mal Konkurrenten und mal dicke Kumpels. Am Mittwochabend waren sie sich einig: Hamburg muss sich nicht verstecken: Unterhaltung, weltbekannte Highlights wie Reeperbahn oder Elbphilharmonie und kurze Wege sind ein Standortvorteil. „Hamburg ist ein bisschen so wie Las Vegas bei den Amis“, schwärmt Thomas Promny, Macher der kommende Woche startenden d3con für Werbe-Informatiker. Und „wer will schon gern nach Frankfurt?“, witzelt der selbsternannte Punk unter den Konferenz-Gründern.

Sorgenkind Fluganbindung, Lufthansa & Co.

Philipp Westermeyer, mittlerweile weltweit bekannter Kopf hinter dem Marketing-Festival „Online-Marketing-Rockstars“ (OMR), überrascht alle Beteiligten: „Erstmals haben wir in diesem Jahr einen Privatflieger gebucht, um Speaker aus New York einzufliegen. Wünschenswert für die Stadt ist das nicht.“ Und tatsächlich fehlen Hamburg Direktflüge zu den internationalen Metropolen New York, Chicago, San Francisco, Hongkong, Sinpapur oder Shanghai. Für London, Paris oder Zürich eine Selbstverständlichkeit. Aber Lufthansa behandelt Hamburg stiefmütterlich – ohne Umsteigen kommt man aus Hamburg heraus nicht weit (Ausnahme: Dubai). Dazu muss man wissen: Die Digital-Konferenzen leben von zahlungskräftigen Geschäftsleuten, die teilweise über 1000 Euro für ein Ticket zahlen, und populären Rednern. Beide Zielgruppen wollen keine komplizierte An- und Abreise. Allein zur OMR im Mai werden 50.000 Besucher erwartet.

Besucher sind Millionengeschäft auch für die Stadt

Das Konferenz-Business ist nicht nur für die Veranstalter ein großes Geschäft – wenn sich genügend Aussteller und zahlenden Besucher finden – auch die Stadt Hamburg und Gastronomie & Co. profitieren. Hotelübernachtungen, Geschäftsessen, Taxifahrten. Konferenzen spülen wie klassische Messen Geld in viele Kassen – besonders in Hamburg: „Zahlungsbereitschaft für Konferenzen ist in Hamburg hoch, in Berlin mau“, lobt Matthias Schrader, der Veranstalter der legendären „NEXT“, den Standort Hamburg. Plus: OMR, Next, d3con & Co. sind Aushängeschilder für die Stadt – „exzellentes Stadtmarketing mit einen hohen Werbewert“, findet Michael Siegler von der Publisher Business Conference. Guter Grund für die Macher der Digital-Konferenzen, die Stadt Hamburg stärker in die Pflicht zu nehmen.

„Die Stadt versucht uns schon zu helfen, wenn wir spezielle Wünsche haben. Aber der Wettbewerb mit anderen Messen und Konferenzen ist massiv, europaweit“, kritisiert Philipp Westermeyer. Hintergrund: Einige Messe- und Konferenz-Standorte in Südeuropa locken Veranstalter mit viel Geld in ihre Städte. Aktuelles Beispiel: Den populären Web-Summit wollte die spanische Stadt Valencia mit einer 170-Millionen-Euro-Paket für zehn Jahre zu sich locken. Ohne Erfolg. Der nächste Web-Summit findet wieder in Lissabon statt. Welchen Betrag oder andere Zusicherungen die Portugiesen geboten haben, ist nicht bekannt. Für Westermeyer sind diese riesigen Subventionen an anderen Standorten im Vergleich zu Hamburg „nicht ganz fair“.

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