Lobeshymne auf die Elbphilharmonie: Das antworten die MOPO-Leser Ole von Beust

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Ein Jahr Elbphilharmonie – für Hamburgs ehemaligen  Bürgermeister Ole von Beust (CDU) keineswegs Steuerverschwendung, Protzbau oder Millionen-Desaster – sondern ein voller Erfolg, wie er sagt. Die Meinungen in der Leserschaft der MOPO gehen bei diesem Thema allerdings auseinander.

Stellvertretend für viele, viele Zuschriften veröffentlichen wir nun folgende Leser-Kommentare. 

„Werde nie in den Genuss eines Konzertes kommen“

„Ich kann diesen Hype um die Elphi nicht mehr hören. Toll, dass Touris von überall kommen und die Konzerte besuchen. Ich, als Rentnerin mit Grundsicherungs-Zuschlag, werde, wie ganz viele ältere Hamburger, nie in den Genuss kommen mal ein Konzert zu hören. Aber wen interessiert das schon. Armes Hamburg.“
Sandrine

„Elphi in erster Linie Mahnmal für zukünftige Großprojekte“

„Herr von Beust lenkt in seinem Gastbeitrag davon ab, dass nicht ein öffentlicher Steuercent für die Elbphilharmonie hätte fließen müssen, wenn Hamburg sich nicht als eitler Bauherr vorgedrängelt hätte; ganz im Gegenteil: Hamburg hätte durch die alleinige Vergabe eines Pachtvertrages an einen privaten Betreiber mit einem oder mehreren Investoren sofort verdienen können. Dann wären die Kosten für den Bau auch nicht derart explodiert und Hamburgs Ratsherren wie -damen müssten sich nicht mit dem Stigma plagen, nicht kalkulieren zu können, bzw. zu wollen (siehe auch HSH-Nordbank). So steht die ‚Elphi‘ für Hamburg nicht in erster Linie als Vorzeigeprojekt (dessen Instandhaltung natürlich auch weiterhin kostet), sondern vielmehr als Mahnmal für vorausschauende Finanzierungen und Durchführungen zukünftiger Großprojekte.“
S. Albers

„Sache zahlt sich trotz der enormen Kosten offenbar aus“

„Bei realistischer Kalkulation wäre die Elbphilharmonie politisch nicht durchsetzbar gewesen. Die Schlamperei (oder kühl kalkulierte Taktik?) war der einzige Weg, diesen Bau zu bekommen. Für Hamburg zahlt sich die Sache trotz der enormen Kosten offenbar aus – Glückwunsch!“
Al Caprese

„Dafür könnten die Hamburger dankbar sein“

„Die Elbphilharmonie gehört zu den Meilensteinen und den größten Gewinnen Hamburger Kulturgeschichte; auch ökonomisch, denn die Kosten werden sich schnell amortisieren. Sie hat international mittlerweile große Anerkennung gefunden. Dafür können die Hamburger dankbar sein.“
Dr. Matthias Hühn

„Massive Fehlkalkulation ist unentschuldbar“

„Wäre die Elbphilharmonie zum ursprünglich veranschlagten Preis gebaut worden, wäre der bittere Nachgeschmack nicht geblieben bzw. wären die Widerstände in der Bevölkerung gegen die Elbphilharmonie nicht so stark ausgefallen. Oder in anderen Worten: Eine Elbphilharmonie zu bauen, war an sich schon eine gute Entscheidung, aber die massive Fehlkalkulation ist unentschuldbar und dass die Baukosten so massivst ausgeufert sind, ist auch nachträglich durch nichts zu rechtfertigen!“
Namtaru

„Architektonisch einzigartig, aber scheußlich!“

„Die Mehrheit der Menschen braucht das Gefühl von Heimat und Identität. Das schafft Sicherheit und Geborgenheit in Zeiten der Globalisierung.“ So Herr von Beust. Hier sollte man lieber mal untersuchen, warum uns das „Gefühl von Heimat und Identität“ abhanden gekommen ist. Eben die Globalisierung dürfte nicht zuletzt daran schuld sein. Aber die Elphi ist wohl das letzte Mittel, das dazu geeignet ist, dem entgegenzuwirken. Herr von Beust spricht selbst von Leuchtturm-Projekten, und die haben hauptsächlich den Zweck, dem initiierenden Politiker ein Denkmal zu setzen. Und davon hat der einzelne Bürger tatsächlich nichts! Architektonisch ist die Elphi auch kein Nonplusultra. Es wäre besser gewesen, den Kaispeicher abzureißen. Der Hinweg durch die hässliche Hafengegend ist alles andere als dazu geeignet, den Besucher auf ein Konzert einzustimmen. Und bevor man in die Elphi gelangt, muss man erstmal den hässlichen Kaispeicher überwinden. Dann muss man die richtigen, viel zu kleinen Fahrstühle finden und sich durch enge Flure zwängen, bis man schließlich in dem großen Saal mit kalter Atmosphäre angekommen ist. Wie anders und geradezu romantisch anmutend ist dagegen ein Besuch der Laeiszhalle. Und mit welch billigen Ausreden werden hier die Kosten verteidigt! Wenn sich die geplanten Kosten um mehr als den Faktor 10 erhöhen, ist das einfach Dilettantismus! Und was heißt überhaupt „inhaltliche Änderungswünsche während des Baus“! Wer so ein Mammutprojekt auflegt, muss auch in der Lage sein, es konsequent durchzuziehen, und sich nicht noch in der Durchführungsphase hineinreden lassen! Das wird nun mit Phrasen und Worthülsen gerechtfertigt wie „Eine Stadt mit guter Architektur schafft Atmosphäre und ein zivilisiertes Zusammenleben“. Ja, „architektonisch einzigartig“, aber scheußlich!
Jochen Ebert