Mireille Mathieu: Für diese Stimme wurde die Elphi gebaut!

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Das Orchester hat am Sonntag gerade im Halbkreis auf der Bühne der Elbphilharmonie Platz genommen, da dringt ein gesungener Ton vom Backstage-Bereich in den vollen Saal. Das Publikum lacht. Ist es der Spatz von Avignon, der sich da noch für sein Konzert warmsingt?

Zwei Minuten später steht Mireille Mathieu (71) im kleinen Schwarzen und mit ausgebreiteten Armen vor ihrem Publikum, das sie mit stehenden Ovationen empfängt. Sie begrüßt die Besucher in deutscher Sprache. Danach lässt die zierliche Französin, die in ihrer über 50 Jahre währenden Karriere 190 Millionen Tonträger verkauft hat, nur noch die Musik sprechen.

Und schnell wird klar: Für eine Sängerin wie Mireille Mathieu wurde die Elbphilharmonie gebaut! Ihre glockenhelle Stimme füllt den Raum aus, ihr Vibrato ist nie zu schrill, jeder Ton sitzt in Perfektion und hat Gänsehautfaktor. Da muss man nur ihrer Interpretation von „Hymne à l’amour“ der großen Édith Piaf lauschen, um zu wissen, dass die Frau mit dem ewigen Rundhaarschnitt in erster Linie Chanson-Sängerin ist, die die große Geste genauso liebt wie das gerollte R.

Auch nach diesem Stück reißt es wieder alle aus den Sitzen. Weniger als ein Drittel der gebotenen Lieder sind deutschsprachig – aus der Mathieu wird eine Schlagersängerin! Sie singt „La Paloma ade“, „Akropolis adieu“ und „Der Pariser Tango“ – zu Letzterem deutet sie besagten Tanz an, obwohl sie leicht humpelt. Was einem auch deshalb leidtut, weil sie viele Wege zurücklegen muss. Denn nach jedem Stück stehen vor der Bühne Fans mit Blumenbouquets.

Mit dem vorletzten Lied rührt Mademoiselle Mathieu alle zu Tränen: Es heißt „Maman la plus belle du monde“ (zu Deutsch: „Mama, du bist die Schönste der Welt“). 2015, bei ihrem letzten Hamburg-Konzert, holte Mathieu ihre betagte Mutter auf die Bühne des CCH. Ein Jahr später musste sie sich für immer von ihr verabschieden. Mathieu schluchzt und blickt Richtung Himmel. Eine schönere Hommage als dieses Konzert konnte sie ihr nicht machen.

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