Mit Pantoffeln in der Elphi: Chilly Gonzales kann auch leise

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Alle wollen Chilly Gonzales (47) in der Elphi sehen! Vor der Kasse hoffen am Mittwoch noch Dutzende auf Tickets. Auf der Bühne des großen Saals stehen sogar dort Stühle, wo sonst der Chor seinen Platz hat. Der kanadische Piano-Entertainer – wie gewohnt im adretten Herr-von-Eden-Bademantel und Schlappen an den Füßen – spielt Stücke aus allen drei „Solo Piano“-Werken.

Wie seine schönen Hände mal geschmeidig, mal druckvoll über die schwarz-weißen Tasten gleiten, können die Zuschauer in Draufsicht auf einer Videowand oberhalb der Bühne beobachten. Diese „PianoVision“ hatte er bereits 2004 bei seinem ersten „Solo Piano“-Album dabei. Es hat fast schon etwas Meditatives, je länger man hinschaut. Ob er vorher bei der Maniküre war? Ob seine Hände versichert sind? Wen sie wohl zuletzt berührten? Seltsame Fragen kommen einem in den Sinn.

Chilly Gonzales: „Fuck Berlin“

„Wenn man Klassik-Meister nach meiner Technik und Haltung fragt, würden sie mir wohl einen Osteopathen empfehlen!“, witzelt Gonzales, ganz der Rebell. Wo der Wahl-Kölner sonst den Zampano gibt, legt er diesmal lautlos Zettel auf die Tasten. „Moin“, „Hummel Hummel“, „I love Freie und Hansestadt Hamburg“, gefolgt von „Fuck Berlin“, erntet – na klar – den meisten Jubel.

Chilly Gonzales erobert die Elbphilharmonie

Lange bleibt seine Rolle dann doch nicht stumm: Anhand seines Stückes „Treppen“ entmystifiziert er die Tonleiter, die per se „keine Musik ist“, so der Musiker. Zu „The Tourist“ erzählt er eine witzige Geschichte über Rapper Drake, der es mit den Urheberrechten offenbar nicht so genau nimmt. Statt vom Kaiser Quartett wird er diesmal von der Cellistin Stella Le Page unterstützt. In der Zugabe haut Gonzales dann doch noch seine grellen Pophits wie „Take Me To Broadway“ sowie den Apple-Werbesong „Never Stop“ raus – und das Publikum jubelt. Das Finale bestreitet er an der Orgel des Hauses. Die Elphi hat er einmal mehr erobert.

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