Mord, Suff und Missbrauch als Opern-Stoff: Psycho-Horror vom Feinsten in der Elphi

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Mord und Suff, Missbrauch, Rache und zum Finale ein Doppel-Selbstmord: Harter Stoff in der Elbphilharmonie, der einige Besucher während der deutschen Erstaufführung der Kammeroper „Thérèse“ die Flucht aus dem kleinen Saal ergreifen ließ. Soziales und erotisches Elend im Doppelpack ist eben selbst im Lieblingskonzerthaus nur schwer zu ertragen.

Zumal Komponist Philippe Maintz für Emile Zolas Roman-Vorlage eine allzu zersplitterte Vertonung gewählt hat, die sich vor allem in einförmigen Sprechgesang ergeht: Es ächzt und stöhnt, kracht und flirrt im Kammerensemble der Hamburger Philharmoniker unter Nicolas André – doch das war es dann auch an musikalisch-dramatischen Effekten.

Schade, denn die Hinterhaus-Tragödie der Titelfigur (Marisol Montalvo) und Laurents (Otto Katzameier), die Thérèses Schlappschwanz-Ehemann (Tim Severlo) ertränken, um Liebe und Lust ungezügelt ausleben zu können, böte reichlich Gefühlsfarben und -ebenen.

Stattdessen bleibt es bei einer klanglichen Beschreibung des Grusel-Schockers um Hass und Selbsthass, für dessen Inszenierung Opern-Intendant Georges Delnon als Regisseur den Darstellern freien Lauf lässt. Bis hin zur grandiosen Renate Behle, die als Mutter des Ermordeten in zunehmender Lähmung erstarrt.

Psycho-Horror vom Feinsten – nur eben nicht in der Musik.

Elbphilharmonie: 21.+22.5., jeweils 19.30 Uhr, Karten (25-61 Euro), Tel. 356868

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