Natur-Perlen in Hamburg: Das sind echte Ausflugs-Geheimtipps

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Strandweg und Övelgönne an der Elbe und das Alstervorland sind fast jedes Wochenende überfüllt. Die MOPO hat als Alternative einmal fünf Ausflugstipps zwischen Volksdorf und Billwerder besucht, die bestimmt nicht jeder Hamburger kennt und wo Sie, von einzelnen Anglern oder Natur-Freunden einmal abgesehen, kaum jemanden treffen dürften.

Den Hafen entdecken …

An den Landungsbrücken stapeln sich die Touristen, gegenüber am Ausgang des Alten Elbtunnels in Steinwerder ist auch viel los, aber der Rest des Hafens? Den hat man am Wochenende für sich.

Spannende Orte wie den Togokai zum Beispiel. Zu erreichen via Afrikastraße (Kleiner Grasbrook). Über einen Trampelpfad durchquert der Hafen-Entdecker eine Brachfläche und wird mit einem konkurrenzlosen Blick auf die Hamburg-Silhouette mit Elbphilharmonie und HafenCity belohnt. Außer ein paar Anglern verirrt sich wirklich niemand hierher. Problem: ÖPNV gibt es hier natürlich kaum, man ist auf Rad oder Auto angewiesen. Das gilt auch für Holthusenkai, Saalehafen oder andere spannende Hafen-Ecken. Viele Areale sind Firmengelände und gesperrt, doch es gibt erstaunlich viele Flächen, die am Wochenende gut zugänglich sind. Schon mal von Norderelbstraße oder Reiherstraße in Steinwerder gehört? Hier kann man noch etwas vom alten Hafen-Feeling erleben, bevor die Container-Schifffahrt kam. Auch Waltershof ist einen Besuch wert. Von Bubendey-Ufer und Tankweg am Petroleumhafen aus ergeben sich ganz neue Perspektiven auf die Elbe und unsere Stadt.

Deichtour nach Billwerder

Diese Tour eignet sich besonders für Radler, Motorrad-Fans oder Oldie-Fahrer. Schnellfahren ist eher nicht angesagt, dafür gibt es ordentlich was zu gucken. Wir starten an der Ecke Billbrookdeich/Liebigstraße – mitten in einer eher unwirtlichen Ecke unserer Stadt, die aber ziemlich spannend ist. Denn hier an der Bille haben sich die unterschiedlichsten Betriebe angesiedelt, vom gigantischen Reparaturbetrieb für Busse bis zum Kieshandel. Doch nach ein paar Kilometern wandelt sich das Bild. Ab der Roten Brücke wird es zunehmend grün, und entlang des für die Entwicklung Hamburgs so wichtigen Flusses stehen kleine Landhäuser, Pferde weiden auf großen Koppeln und der Billbrookdeich wird zum Billwerder Billdeich.

Kurz vor der Brücke über die A 1 mündet die Glinder Au in die Bille, und die macht dann eine große Rechtskurve. Hier sollte man unbedingt eine Pause einlegen und einen ausgiebigen Spaziergang in die Boberger Dünen starten. Bei gutem Wetter lockt natürlich auch der dortige See am Walter-Hammer-Weg. Weiter geht es durchs alte Billwerder bis nach Bergedorf. Hier kann man bei Bedarf die Tour bis weit in die Vier- und Marschlande hinein verlängern.

Wo die Nordische Moosjungfer fliegt …

Duvenwischen? Davon dürften Sie vermutlich noch nie gehört haben. Dabei handelt es sich um Hamburgs neuestes Naturschutzgebiet. Sie fahren mit der U1 bis zur Station Buckhorn. Die liegt mitten im Wald und ist mit täglich nur 2000 Fahrgästen Hamburgs einsamste U-Bahnhaltestelle – aber auch architektonisch interessant. Am Waldfriedhof vorbei geht es über die Straße Schmalenremen ins Grüne. Das Naturschutzgebiet liegt am Lottbeker Deich an der Grenze von Volksdorf zu Schleswig-Holstein. In einer Sumpflandschaft wachsen seltene Pflanzen wie Großer Klappertopf, Sparrige Binse oder Teufelsabbiss. Die Tierwelt umfasst 825 Arten. Allein 561 Käferarten krabbeln hier herum. Wer Glück hat, kann auch Libellenarten wie die Nordische Moosjungfer erspähen. Für eine längere Tour kann der Wanderer ins benachbarte Naturschutzgebiet Heidkoppelmoor wechseln.

Auf dem Elbhöhenweg

Nein, die reine Freude ist das Spazierengehen direkt an der Elbe zwischen Blankenese und Wittenbergen nicht. Allzu oft kommt es hier zu Konflikten zwischen Fußgängern, Radfahrern und vermutlich bald auch einer zunehmenden Zahl von E-Roller-Fahrern. Das ist aber locker zu vermeiden, wenn man eine „Etage“ höher läuft. Auf dem Elbhöhenweg nämlich. Statt direkt am Wasser führt dieser etwas verwunschene Weg nämlich oben am Elbhang entlang. Start ist am Römischen Garten, den der Spaziergänger gut über Waseberg und Falkentaler Weg erreicht. Dann wird es aber teils unübersichtlich, Wanderweg-Schilder sind leider rar. Da aber immer Sichtkontakt zur Elbe besteht, kann man sich eigentlich nicht verlaufen. Hinter der Wittenbergener Heide wird der Elbhöhenweg zum Otto-Schokoll-Höhenweg, und der Wanderer erreicht die Hamburger Landesgrenze bei Wedel.

Ein Moor mitten in der Stadt

Das Eppendorfer Moor ist eines der kleinsten Hamburger Naturschutzgebiet – jedoch das größte innerstädtische Moor Europas! Das 26 Hektar große Areal erstreckt sich zwischen Alsterkrugchaussee und der Straße Klotzenmoor. Die meisten Hamburger dürften auf der B 433 zwischen Flughafen und Eppendorf achtlos daran vorbeifahren. Ein Fehler. Kaum betritt man das Gebiet, befindet man sich in einer anderen Welt. Rund um einen See erstreckt sich ein Birken-Erlen-Bruchwald. Allein 35 Arten von Moosen und 20 Baumarten wurden hier gezählt. Seltene Pflanzen wie der straußblütige Gilbweiderich versetzen Biologen in Verzückung. Die Vogelwelt ist mit Zaunkönig, Mönchsgrasmücke oder Zilpzalp vielfältig. Die Lüfte müssen sich die Vögel mit sage und schreibe 641 Schmetterlingsarten teilen.

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