Phantom der Elphi: Was Star-Organistin Iveta Apkalna nachts im Konzerttempel erlebte

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Die Uhr hat längst Mitternacht geschlagen, fast alle Lichter in der Elbphilharmonie sind erloschen. Im Inneren aber, dem Herzen des Gebäudes, ertönt ein Brummen. Sehr tief, sehr kräftig – und sehr elegant. Urheber des Geräusches ist Iveta Apkalna (41). Die weltberühmte Organistin nimmt ein Album auf. Zur Geisterstunde. Am Freitag kommt „Light & Dark“ nun auf den Markt.

„Vier Nächte waren wir hier“, sagt Iveta Apkalna bei der Vorstellung der Platte. „Das war im tiefsten Winter. Eine Nacht war Probe, drei Nächte lang haben wir aufgenommen. Immer von Mitternacht bis sechs Uhr morgens.“ Anders wäre „Light & Dark“ nicht zustande gekommen, denn der Große Saal, in dem sich die spektakuläre Orgel befindet, ist immer ausgebucht, jeden Tag stehen hier große Konzerte auf dem Programm.

„Ich habe die Nachtarbeit aber sehr genossen“, sagt sie. 4765 Pfeifen und drei Menschen arbeiteten in dieser kurzen Zeit sehr intensiv zusammen. „Ich spürte in den Nächten die ganz besondere Energie dieses Hauses. Ich zittere noch immer vor Freude, wenn ich hier bin, und komme aus dem Staunen nicht heraus.“

Fast genau ein Jahr nach der Eröffnung des Konzerttempels im Januar 2017 wurde „Light & Dark“ eingespielt. „Und das Programm war sehr ambitioniert“, sagt die gebürtige Lettin, die zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern mal in Riga, mal in Berlin lebt. Dmitri Schostakowitsch, Leoš Janácek, Thierry Escaich, Sofia Gubaidulina, Ligeti … „Es sind Werke, die ich gerne spiele, und Werke, die auch mit mir als Künstlerin wachsen werden.“ Das Ergebnis klingt wie die Orgel selbst: warm, elegant, poetisch. Und gar nicht gespenstisch.

„Light & Dark“ erscheint am 7.9. bei Berlin Classics/Edel

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