Platzmangel auf Hamburgs Fähren: So rüstet die Hadag die Elbflotte auf

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Hadag-Vorstand Tobias Haack reagiert auf neue Anforderungen an die Hadag (Bild: Quandt / Florian Quandt)

Ärger auf der Elbe: 2021 Fahrten musste die Hadag in diesem Jahr schon streichen, dazu waren die Schiffe häufig überlastet – auf 1962 Fähren waren die Kapazitäten ausgeschöpft, Gäste mussten abgewiesen werden. Doch diese Probleme sollen bald der Vergangenheit angehören.

Besonders in der Sommersaison machte sich der Personalmangel bemerkbar, wie das „Hamburger Abendblatt“ nun berichtet. 1000 der 2021 abgesagten Fahrten fielen allein auf den Juni und Juli.

Die Hadag reagierte – und ihr Vorstand Tobias Hack blickt nun beruhigt auf die heutige Lage. „Dieses Problem haben wir inzwischen in den Griff bekommen. Es wurden neue Schiffsführer eingestellt, wir haben jetzt rund hundert Mitarbeiter und davon sind 10 Auszubildende", erklärte er zufrieden gegenüber dem „Hamburger Abendblatt".

Viele Fahrgäste konnten nicht an Bord der überfüllten Elbfähren

Jedoch nicht nur entfallene Abfahrttermine belasten das Unternehmen in diesem Jahr. Hinzu kamen noch 1962 Besetzt-Meldungen. Damit sind Abfahrten gemeint, bei denen Fahrgäste abgewiesen werden mussten, weil es an Bord keinen Platz mehr gab.

Am stärksten überlastet war die Linie 62 zwischen Finkenwerder und Landungsbrücken. Haack bedauerte diese Engpässe in dem Bericht: „Wir brauchen natürlich aufgrund der hohen Nachfrage mehr Kapazitäten. Es ist ärgerlich, wenn Fahrgäste nicht befördert werden  können, weil bereits die zugelassene Passagierzahl erreicht ist. Das Ziel muss natürlich sein, dass wir so gut wie gar keine Besetztmeldungen mehr haben."

Wie stark die Fahrgastzahlen steigen, kann das Verkehrsunternehmen nicht genau beziffern. Um 1,5 Prozent wird die Zunahme geschätzt.

Damit wären dieses Jahr mehr als neun Millionen Fahrgäste zu erwarten. Um dieses Problem bewältigen zu können, sollen drei weitere Schiffe zu den 26 hinzugefügt werden.

Erweiterung dürfte teuer werden

Noch steht die Bestätigung des Aufsichtsrates aus. Außerdem muss ein Gremium darüber entscheiden, ob 250 oder 400 Personen auf den Neuanschaffungen Platz haben sollen. Anschließend kann die europaweite Ausschreibung gestartet werden.

Ab 2021 lässt sich mit der Inbetriebnahme der neuen Fähren rechnen. Dann würden wiederum zehn neue Mitarbeiter gebraucht werden. 

Die Erweiterung dürfte teuer werden, denn je nachdem für welche Größe sich das Gremium entscheidet, würde ein Schiff vier bis sieben Millionen Euro kosten. Für die Hadag sind diese Kosten unumgänglich.

„Das ist eine Investition in die Zukunft. Wir können unser Angebot  nur ausweiten, wenn wir Kapazitäten schaffen", ist sich Haack sicher.

Hadag sucht auch auf dem Gebrauchtmarkt 

Dieses Projekt soll auch besonders bald umgesetzt werden. Darum sucht die Hadag auch auf dem Gebrauchtmarkt nach geeigneten Modellen. 

In der Sommersaison war die Suche nicht von Erfolg gekrönt. Doch Haack zeigt sich unnachgiebig und betont, dass der Markt weiter im Blick behalten werde.

Die Hadag will die Hamburger Elbe umweltbewusster befahren

Besonders schwierig gestaltet sich das Auftreiben von gebrauchten Schiffen wohl auch durch besondere Anforderungen. Umweltschonende Fahrten sind nämlich ein weiteres ehrgeiziges Ziel des Hadag-Vorstandes. Der Antrieb soll durch Batterie oder Brennstoffzelle ermöglicht werden.

Sobald die nötige Infrastruktur gegeben sei, könne man Fähren auch auf Wasserstoff umrüsten, hofft der Vorstand, um so emissionsfrei unterwegs zu sein. Die „Elbphilharmonie" und „Kehrwieder" schippern jetzt schon mit diesel-elektrischem Antrieb.

Hadag prüft höhere Taktungen und Expresslinien 

Weitere Veränderungen könnte es durch schnellere Verbindungen auf den beliebtesten Routen geben. Dazu gehört die Linie 62 zwischen Landungsbrücken und Finkenwerder, die noch im 15-Minuten-Takt fährt. Pendlern reicht das nicht aus – sie erhoffen sich eine Expresslinie mit nur einem Zwischenstopp in Neumühlen. Eine Verdichtung auf ein 10-Minuten-Takt soll daher geprüft werden.

Die Linie 72 von Landungsbrücken zur Elbphilharmonie könnte aufgrund ihrer Beliebtheit statt alle 20 Minuten alle 15 Minuten die Route befahren. Neue Fährverbindungen, wie etwa nach Wilhelmsburg, stehen auch gerade auf dem Prüfstand.

Bald kein Bierverkauf an Bord mehr

An den Preisen soll sich trotz der Kostenfaktoren nichts ändern. Für einen Tag Elbrundfahrten ab 9 Uhr wird es bei 12,20 Euro für eine Person bleiben. Die Hadag besitzt zudem einen Zuschussbedarf von etwa zwölf Millionen Euro durch die Stadt.

Etwas mehr Platz wird auf den Fähren, aber auch durch einen Rückbau der Kioske geschaffen werden. Dabei sind diese einmalig für ein HVV-Verkehrsmittel: Hier gibt es Bier – ansonsten gilt beim HVV schließlich ein Alkoholverbot.

Mehr Platz für Kinderwagen und Fahrräder

Durch den Rückbau soll „mehr Platz für Personen mit Handicap, für Kinderwagen und Fahrräder" geschaffen werden, heißt es. Die neuen Schiffe sollen von vornherein einen Getränkeautomaten besitzen. 

Tobias Haack ist neben der Hadag auch für die ATG Alster Touristik GmbH verantwortlich. Die angebotenen Rundfahrten auf der Alster erfreuen sich aber nicht so großer Beliebtheit. Gegenüber 2018 sank die Zahl der Passagiere um 20.000 auf nur noch 380.000 zu erwartende Fahrgäste in diesem Jahr. (ts)

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