Reeperbahn-Festival 2018: Mit Award und Rekord – So ging der Musik-Marathon zu Ende

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Ob Indra oder Elbphilharmonie, Molotow oder Michel: Das Reeperbahn-Festival war auch abseits von St. Pauli präsent. Am Sonnabend ging die 13. Ausgabe von Europas größtem Clubfestival zu Ende. An den vier Veranstaltungstagen standen rund 450 Bands und Künstler auf Hamburgs Bühnen, 45.000 Besucher fanden den Weg zum Festival – ein Rekord. Die MOPO blickt zurück auf den Finaltag.

Während die einen sich noch von den Strapazen der Freitagnacht erholten, als der „Secret Act“ Muse vorm Docks für einen riesigen Fan-Auflauf gesorgt hatte, ging das Programm Sonnabend schon weiter. Und steuerte auf einen Höhepunkt am frühen Abend zu: die Verleihung des Anchor-Awards. Gleich zwei Gewinner wurden mit der Trophäe geehrt! Die prominent besetzte Jury hatte sich nicht auf DEN besten Musik-Nachwuchs einigen können, und so wurde eben der belgische Indie-Rocker Tamino und die ebenfalls aus Belgien stammende Psychedelic-Pop-Band Faces On TV als Sieger gekrönt.

Acht Bands waren nominiert gewesen, die Jury um Tony Visconti hatte sich all ihren Konzerte angesehen. „Wir hatten sehr hohe Erwartungen“, sagte Linda Perry, „vielleicht zu hoch.“ Denn 100 Prozent zufrieden seien sie mit keiner der Performances gewesen, verriet die Sängerin, die mit ihren Jury-Kolleginnen Skye Edwards (Morcheeba) und Cassandra Steen (Glashaus) eine ergreifende Version ihres 90er-Jahre-Welthits „What’s Up“ präsentierte.

Selbst ein Politiker erhielt anhaltenden Applaus

Für anhaltenden Applaus sorgte auch Carsten Brosda (SPD) mit seinem Appell für klare Haltung, Diversität und eine Welt ohne Angst: „We should always choose art instead of arms to fight for our individual freedom“, so der Kultursenator.

Für Überraschung an anderer Stelle sorgten Friska Viljor: Die Schweden hatten sich heimlich ins Programm gemogelt, traten im Nochtspeicher unter dem Namen Shotgun Sisters (der Name eines Songs auf dem Kult-Album „Bravo“) auf. „Wir sind sehr aufgeregt, denn eigentlich haben wir noch gar nicht so viele Songs fertig“, sagte Sänger Joakim Sveningsson, der mit seiner Band fast schon so etwas wie ein Festival-Stammgast ist. Seine Sorge war unbegründet: Das Publikum feierte jedes Lied und entließ die beiden Musiker mit langem, lauten Applaus.

HipHop aus Bochum klingt wie aus Brooklyn

Der HipHop-Geheimtipp am letzten Festivaltag war definitiv Serious Klein. Klein klingt nach Brooklyn und kommt aus Bochum. Die englischsprachigen Texte des Anfang 20-Jährigen flowten, dass die Wände wackelten. Am Ende der Show im vollen Mondoo musste ihm sein Manager sagen, dass er sein erstes Album ankündigen soll. So wenig Kalkül ist einfach erfrischend sympathisch.

Während der Rapper sein erstes Album ankündigte, sind BRETT aus Hamburg schon ein Stück weiter. Der Rock-Vierer hat mit „Wutkitsch“ im Februar ein knallhartes Debüt hingelegt – das er im vollen Gruenspan dem grölenden Publikum vortrug. Gradlinig, immer nach vorn und mit ordentlich Dampf. Das kesselt! Eine wahre Ausnahmeerscheinung – von der man in Zukunft sicher noch viel hören wird.

Nebenan in der Großen Freiheit setzte mit schrägen Outfits die dänische Band Whomadewho optische Akzente. Doch die Freude an der Inszenierung war den Kopenhagenern nicht nur anzusehen. Auch musikalisch überzeugte das Trio um Sänger Jeppe Kjellberg auf ganzer Linie: Elektro-Beats treffen auf verträumten Gesang.

Metronomy als perfekter Abschluss des Festivals

Kurz danach an selber Stelle hieß es „Einlassstopp“ – schließlich standen sich die Metronomy-Fans schon eine knappe Stunde zuvor draußen vor dem Club die Füße platt. Die kaltgefrorenen Glieder wurden aber schnell wieder warm, als die Indielektro-Band um 23 Uhr auf die Bühne ging: poppige Songs + wummernde Bässe = tanzende Masse. Und für viele sicher der perfekte Abschluss des Festivals.

Trotz zahlreicher Überraschungen und grandioser Auftritte war nicht alles eitel Sonnenschein: So fielen im Mondoo an der Reeperbahn zahlreiche Konzerte aus, zwei (Ibeyi und Her) der ohnehin schon wenigen Konzerte in der Elbphilharmonie fanden ebenfalls nicht statt.

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