Sarah Brightman im Interview: „Die Zeit ist wertvoll“

Veröffentlicht

Eigentlich hätte die britische Sopranistin und Schauspielerin Sarah Brightman ins Weltall fliegen sollen. Stattdessen hat sie nun ein neues Album aufgenommen – und sich mit der MOPO zum Gespräch getroffen.

MOPO: „Time To Say Goodbye“ haben Sie für Ihr neues Album noch mal in einer Soloversion aufgenommen. Erinnern Sie sich noch, wie das Original entstand?

Sarah Brightman:

Natürlich! Frank Peterson, der bis heute mein Produzent ist, lud mich damals in sein kleines Studio nach Hamburg ein. Es lag auch in der Herbert-Weichmann-Straße – und zwar auf der gegenüberliegenden Straßenseite von dem Studio, wo wir jetzt sind. Andrea Bocelli und ich waren beide aus Italien angereist, wir sangen gerade mal zwei Takes davon ein, und das Ganze wurde von Hamburg aus zum Welthit.

Sie kennen die Stadt also ganz gut?

Oh, ja! Ich habe hier unglaublich viel Zeit verbracht. Ich habe in Hamburg schon alles gemacht; bin gejoggt an der Alster, habe Fischbrötchen gegessen und die Weihnachtsmärkte abgeklappert. „Hymn“ ist mein drittes Solo-Album, das hier entstand. Aber ich reise viel herum. So sind meine Besuche nun deutlich seltener. Ich habe mir allerdings neulich Roger Hodgson in der Elbphilharmonie angesehen.

Hat Ihnen das gefallen?

Ich liebe den Ort. Allein schon wie man die Stufen hinaufsteigt zum Saal, lässt einen fühlen, dass man sich etwas Besonderem nähert. Ich will nach vielen Jahren bald wieder auf große Konzertreise gehen und hoffe, dass ich dann auch in der Elbphilharmonie auftrete.

Fünf Jahre sind seit Ihrem letzten Studioalbum vergangen. Wieso hat es so lange gedauert?

Ich war in ein Weltraumprogramm in Russland involviert – das waren ziemlich herausfordernde Zeiten! Ich sollte zur Internationalen Raumstation ISS mitfliegen. Ich wurde in einer russischen Militärschule darauf vorbereitet und habe alle Tests und die meisten Trainings dafür absolviert.

Was genau waren das für Tests?

Dinge, die Sie sich nicht mal vorstellen können! Es ist zu kompliziert, das zu erklären. Ich darf auch gar nicht drüber sprechen.

Hatten nicht Angst, ins All zu fliegen?

Seltsamerweise nein. Denn durch das Training distanziert man sich bis zu einem gewissen Grad von sich selbst. Man ist so fokussiert auf die Sache, dass Angst keine Rolle mehr spielt.

Warum ist aus der Sache nichts geworden?

Ich darf da nicht ins Detail gehen. Aber es sind einige Dinge vorgefallen … Ich hatte daraufhin ein Gespräch mit meiner Familie, speziell mit meiner Mutter, und danach sagte ich mir, dass es gerade nicht der richtige Zeitpunkt sei um mitzufliegen. Mein Instinkt sagte mir Nein. Auch wenn ich gar nicht genau wusste, warum.

War das nicht total enttäuschend, nachdem Sie so viel Zeit investiert hatten?

Anfangs ja. Aber dann legte sich das Gefühl bei mir, denn vielleicht kann ich ja zu einem späteren Zeitpunkt mitreisen. Mittlerweile bin ich nicht mehr allzu enttäuscht darüber, denn sonst hätte ich das neue Album nicht aufgenommen.

Wo liegen derzeit Ihre Prioritäten?

Ich freue mich auf mehr Zeit mit meiner Familie. Meine Mutter ist gerade 80 geworden. Die Zeit ist wertvoll. Ich finde Gefallen daran, meinen Geist zu füttern. Ich lese viel mehr als früher und erweitere so mein Bewusstsein.

Album: „Hymn“ (Decca/Universal)

Powered by WPeMatico