Star-Dirigent Rattle begeistert Hamburg: Sir Simon lässt die Elphi toben

Veröffentlicht

Bescheiden, fast demütig stand Sir Simon am Rande des London Symphony Orchestras und applaudierte seiner Frau. Kein Wunder: Hatte doch Magdalena Kožená Mahlers fünf Rückert-Lieder so berührend vorgetragen, die Verläufe so feinsinnig gestaltet, dass der Große Saal der Elbphilharmonie tobte. Da tritt selbst ein Star-Dirigent Rattle gern in den Hintergrund.

So wie auch nach der Pause, als „seine“ Star-Mezzosopranistin drei Händel-Arien dramatisch auflud. Balzte, bebte, scharwenzelte und die klanglichen Reize voll auskostete. Großes Kino in drei Mal fünf Minuten war das – und packend erzählt: So spannend kann Barockmusik sein!

Oder eben erfüllt von gepflegt-kultivierter Langeweile wie hernach Rameaus Orchestersuite „Les Boréades“, wo ein Satz dem anderen ähnelte.

Und auch Schuberts „Unvollendete“ zum Einstieg blieb unvollendet, begnügten sich die Londoner doch dort mit vital-tänzerischer Leichtigkeit – von Weltverlorenheit keine Spur.

Aber vielleicht wollte Rattle an diesem Abend die Lorbeeren auch allein seiner Lady überlassen.