Testbetrieb startet: Dieses autonome Mini-Shuttle fährt bald durch Hamburg

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Er sieht ein wenig spacig aus. Ganz anders als ein regulärer Bus. Kompakte fünf Meter lang, weder Lenkrad noch Außenspiegel und mit Platz für zehn Fahrgäste. Die Rede ist von Hamburgs erstem autonomem Shuttlebus „HEAT“, der am Mittwoch vom Verkehrssenator Michael Westhagemann, Hochbahn-Chef Henrik Falk und weiteren Projektpartnern vorgestellt wurde. Das Fahrzeug soll im August 2019 in die erste Testphase gehen und zunächst fünf Haltestellen in der HafenCity anfahren.

„HEAT bietet der Stadt die Chance, das automatisierte und vernetzte Fahren selbst in allen Facetten zu erforschen“, erklärt Westhagemann bei der Fahrzeugpräsentation. „HEAT“ steht dabei für „Hamburg Electric Autonomous Transportation“. Es ist ein deutschlandweit einmaliges Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur Integration eines elektrobetriebenen autonomen Shuttlebusses in den regulären Straßenverkehr.

Dabei bietet das Shuttle Platz für zehn Fahrgäste, zwei Sitzbänke à vier Plätze und eine zusätzliche klappbare Sitzbank. Auch ein barrierefreier Zugang für Rollstuhlfahrer ist möglich.

Autonomer Bus: Erste Teststrecke in der HafenCity

Der Testbetrieb des Mini-Shuttles ist stufenweise angelegt, um auf den einzelnen Stufen Erfahrungen sammeln zu können und darauf aufbauend den Prozess weiter zu automatisieren.

Im August dieses Jahres wird das Fahrzeug auf einer 1,8 Kilometer langen Strecke in der HafenCity unterwegs sein, allerdings noch ohne Passagiere und mit Begleitfahrer. Es soll fünf Haltestellen anfahren, zunächst nur „Am Dalmannkai“, „Großer Grasbrook“, „Am Sandtorkai“ und „Am Sandtorpark“. In der letzten Phase dann auch die Straße „Am Kaiserkai“ an der Elbphilharmonie, allerdings noch im Schneckentempo: 15 Kilometer pro Stunde ist die Maximalgeschwindigkeit.

Autonomer Fahrgast-Betrieb soll 2021 starten

In der zweiten Phase 2020 traut man sich schon mehr: Mit maximal 25 Kilometern pro Stunde können dann auch vorher eingewiesene Fahrgäste mit dem Bus fahren. Der Testabschnitt wird dazu erweitert. Ein Fahrzeugbegleiter soll aber weiterhin im Fahrzeug bleiben.

Im Finale 2021 fährt das autonome Shuttle dann komplett alleine mit echten Fahrgästen und kann eine Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde erreichen.

Beim jährlichen World Congress on Intelligent Transport Systems (ITS) zur Förderung von intelligenten Transportsystemen soll das kleine Shuttle so erfolgreich präsentiert werden. „Beim ITS-Weltkongress 2021 werden wir mit HEAT und vielen weiteren Projekten zeigen, dass Hamburg Vorreiter bei innovativen Mobilitätslösungen ist“, so Westhagemann.

Intelligente Infrastruktur sorgt für Sicherheit

Während der Probefahrten gilt vor allem: „Safety first!“ So soll das Fahrzeug mit verschiedensten Komponenten ausgestattet sein, beispielswiese mit einer intelligenten Sensorik entlang der Fahrstrecke kommunizieren. Das Fahrzeug selbst besitzt außen und innen zahlreiche Sensoren und Kameras. Zusätzlich erfolgt eine Überwachung durch die Hochbahn-Leitstelle. Im Notfall kann das Fahrzeug sofort zum Stoppen gebracht werden.

Umstieg von Auto auf öffentliche Verkehrsmittel soll erleichtert werden

Autonomes Fahren soll vor allem noch attraktivere Angebote für den Nahverkehr schaffen. „Gerade zu Tageszeiten oder für Gebiete, in denen konventionelle ÖPNV-Lösungen heute wirtschaftlich an ihre Grenzen stoßen und deshalb nicht attraktiv genug sind, um die Menschen zum Umsteigen vom privaten Pkw zu motivieren“, betont Hochbahn-Chef Henrik Falk.

Auch Projektpartner Matthias Kratzsch, Geschäftsführer von IAV sieht in „HEAT“ ein „umweltfreundliches Verkehrsmittel auf Hamburgs Straßen, das technologische Maßstäbe setzt.“ Die IAV GmbH ist im Projekt zuständig für die Entwicklung, Bereitstellung und Wartung des Fahrzeuges.

Investitionen vom Bundesumweltministerium und Projektpartnern

Zusagen für Fördermittel für das Projekt hat Hamburg bereits vom Bundesumweltministerium erhalten: insgesamt 3,7 Millionen Euro. Den wesentlichen Teil der Finanzierung des Gesamtprojekts tragen die privaten Partner. Dazu zählen neben der IAV GmbH die Siemens Mobility GmbH, das Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR). Hamburgs Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) koordiniert dabei auf städtischer Ebene.

Autonomes Fahren ist juristisches Neuland

Derzeit wird autonomes Fahren aber noch nicht vollständig vom Gesetz erfasst. Laut Matthias Hartwig, Projektverantwortlicher am IKEM, sei „HEAT“ noch „rechtliches Neuland“. „Im Probebetrieb des Fahrzeuges werden die Anforderungen an die Weiterentwicklung des Straßenverkehrsrechts nun konkret und greifbar. Damit setzt HEAT auch Impulse für die Gesetzgebung.“

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