Trotz Schock-Umfrage: Tschentscher lacht den Absturz weg

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Die Sozialdemokraten befinden sich im Sturzflug. Längst bundesweit – und nun auch noch in der Sozi-Hochburg Hamburg! Auf 30 Prozent ist die SPD hier in einer Umfrage abgeschmiert, 15,6 Prozentpunkte weniger als bei der Bürgerschaftswahl 2015. Und wie reagiert Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)? Der ist tiefenentspannt – und lacht den Absturz einfach weg.

Manch einer hatte beim Blankeneser Neujahrsempfang am Donnerstagabend mit einem miesgelaunten Bürgermeister gerechnet. Vielleicht mit Sorgenfalten auf der Stirn, einem nachdenklichen Blick und schmalen Lippen. Von wegen!

Tschentscher: „Alles läuft super“

Mit guter Laune und einer ordentlichen Portion Humor trat er vor die anwesenden Gäste auf dem Süllberg – und feierte seine Politik kräftig ab. „Hier läuft alles super!“, sagte er.

Beim Wohnungsbau sei das Ziel von 10 000 Baugenehmigungen wieder deutlich übertroffen worden. Siele würden erneuert, Glasfaserkabel verlegt, kilometerweise Straßen saniert. „In anderen Städten muss sich die Politik für Schlaglöcher in den Straßen rechtfertigen, bei uns für die vielen Baustellen“, so Tschentscher.

Bürgermeister sorgt für Lacher

Sein Senat drehe sogar völlig verdrehte Projekte noch ins Gute: Die Elbphilharmonie etwa, oder die HSH-Nordbank. „Und die Elbvertiefung ist jetzt so perfekt planfestgestellt, dass sich der Schierlings-Wasserfenchel auf der Billwerder Insel pudelwohl fühlt und Umweltverbände nichts mehr sehen, wogegen man Eilanträge stellen kann.“ Schmissige Worte, die man von dem 52-Jährigen nicht gewohnt ist – aber für einige Lacher sorgten.

Die Unterhalter-Rolle, sie gefiel Tschentscher ganz offensichtlich. Auch für die drei prominenten Ehrengäste – CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, Grünen-Chef Robert Habeck und Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte er jeweils eine Anekdote im Rede-Repertoire. Den Absturz seiner Partei ließ er sich zu keinem Zeitpunkt anmerken. Aber was denkt er denn nun über die aktuelle Umfrage, den SPD-Absturz? „Die SPD ist weiterhin die Hamburg-Partei, das zeigt die Umfrage. Vom Bundestrend können wir uns aber nicht völlig abkoppeln“, sagt Tschentscher zur MOPO.

Tschentscher so bekannt wie nie

Seine Laune trübt das aber nicht – zumal er selbst so gut dasteht wie nie zuvor. Denn: Hamburgs Bürgermeister ist plötzlich bekannt! Rund 85 Prozent der befragten Hamburger kennen inzwischen seinen Namen. Beim Amtsantritt im März kannten bei einer damaligen Umfrage 38 Prozent der Hamburger seinen Namen nicht. „Bekanntheit ist hilfreich, denn dadurch können politische Botschaften und Ziele besser vermittelt werden“, so Tschentscher jetzt.

Das dürfte ihm auch für den Wahlkampf helfen, schließlich steht 2020 die Bürgerschaftswahl an. Und bis dahin muss sein Senat wieder mehr liefern – zumindest wenn es nach den Hamburgern geht. Nur noch 47 Prozent sind mit der Arbeit zufrieden, im Frühjahr waren es noch 61 Prozent.

SPD und Grüne im Wahlkampfmodus

Für Hamburgs Bürgermeister kein Grund zur Sorge. „Der Senat erfährt viel Zustimmung zu seiner Arbeit. Um solche Werte werden wir von anderen Bundesländern beneidet“, sagt er zur MOPO.

Wie der Senat ab 2020 aussieht, ist jedoch offen. Klar ist: Bei SPD und Grünen schaltet man allmählich in den Wahlkampfmodus.

Und das führt zu Reibereien in der Koalition, etwa beim Thema Fernwärme. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) kritisierte unlängst Vattenfall dafür, den Verkauf zu verzögern. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) sprach hingegen von einer konstruktiven Zusammenarbeit. „Das sind beides Personen mit einem gewissen Geltungsbedürfnis“, ordnet SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf die Situation ein – und nicht nur die.

Während SPD-Chefin Melanie Leonhard zuletzt betont hatte, ohne klare Koalitionsaussage in den Wahlkampf ziehen zu wollen, macht sich Kienscherf für ein Rot-Grünes Bündnis stark. „Es spricht nichts dagegen, die Koalition fortzusetzen.“ Und zusammen den Aufschwung zu schaffen? Das dürfte jedenfalls auch Tschentscher gefallen.

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