Was alles hinter den Kulissen passiert…: So haben Sie die Elphi noch nie gesehen

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Zweieinhalb Jahre lang fotografierte der Wahl-Hamburger Peter Hundert in der Elbphilharmonie hinter den Kulissen. Seine einzigartigen Einblicke veröffentlicht der Fotograf nun in seinem Foto-Buch „Backstage Elbhilharmonie“. Seinen Blick richtet er auf „die Helden der Arbeit“ – Fotos von Woody Allen, kurz nach seinem Auftritt, finden sich dort neben stillen Beobachtungen von beinahe alltäglichen Arbeitsabläufen: wartende Angestellte, Bühnentechniker, schlafende Musiker. 

Eigentlich kommt Peter Hundert aus der Werbefotografie. Dort schießt er an Sets mit 50 Mitarbeitern Fotos, die so aussehen sollen, als ob sie zufällig im Moment entstanden sind. Junge Paare, Kinder, glückliche Familien.

Vielleicht rührt daher Peter Hunderts Sehnsucht nach „echtem Gefühl“ und einer beobachtenden Perspektive. Ihn entzückt das Knistern und die Luft im Backstage, verrät er im MOPO-Gespräch. Ein weiterer Antrieb: „Die Elbhilharmonie soll kein Ort der abgehobenen Hochkultur sein“. 

Klassische Konzertfotografie findet er langweilig

Hundert interessiert sich für die Gesichter hinter dem Konzertsaal: Künstler, Dirigenten, einfache Angestellte. Sein Feindbild: klassische Konzertfotografie, die findet er oft langweilig, denn er „will ja gar nicht nur über die Klassik-Virtuosen berichten“. Zweieinhalb Jahre widmete er sich der Mammut-Aufgabe, zu zeigen, was hinter den Kulissen der Elphi abgeht – und das neben seiner Arbeit als Werbe-Fotograf.

Bilder zeugen von großer Ruhe

Sein Plan: Hundert wollte seinen Protagonisten auf subtile Art und Weise nahe kommen. Das ist ihm gelungen. Ob der Geiger Laurent Marfaing, den Hundert dösend auf einem Sofa  erwischte, Woody Allen Sekunden nach seinem Auftritt, oder probende Musiker beim Soundcheck: Hunderts Bilder zeugen von großer Ruhe, bieten ebenso intime Einblicke wie auch stürmische See, wenn Hundert tatsächlich Dirigenten und Musiker in Aktion zeigt.

Dabei kommt ihm die besondere Location natürlich gut zupass. Klare Linien, malerische Hafenkulisse, dazu eine der optisch spektakulärsten Konzerthallen der Welt: Klar geht da das perfekte Foto leichter von der Hand als vor einer Pappmachee-Wand.

„Wachsweicher ungefilterter Daseins-Zustand“

Doch 130 Portraits von Musikern zu schießen, die einen Moment zuvor noch vor meist ausverkauftem Haus gespielt haben, zeigt den Ehrgeiz Hunderts. Nur direkt nach dem Auftritt begegnen ihm die Musiker in „einem „wachsweichen ungefilterten Daseins-Zustand“. Das hier und dort auch werblich anmutende Bilder durchrutschen – geschenkt.

Mit seinem Bildband macht Hundert der Kulturstadt Hamburg nicht nur ein riesiges fotografisches Geschenk, er bekam durch die Zeit auch etwas zurück: „Ich habe anhand dieser Arbeit kapiert, warum ich Fotograf geworden bin“, erzählt er im Gespräch. Gemeinsam mit den Elphi-Chefs plant er nun eine Ausstellung.

Elphi-Chefs und Hundert planen Ausstellung

Dafür hat er eine besondere Idee, nur an der Umsetzung hakt es noch: Hundert will das Club- und Kulturschiff „MS Stubnitz“ vor die Elbphilharmonie parken. Dort sollen die Bilder dann ausgestellt werden.

Nur die Realität spielt ihm da bisher einen Strich durch die Rechnung: Zu viel Schlick, dazu fehlt es bisher an Pollern zum Anlegen. Doch aufgeben? Das kommt für den gebürtigen Mönchengladbacher nicht in Frage.

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