Wer singt denn da?: Plötzlich roch’s in der Laeiszhalle nach Feuerrauch

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Laeiszhalle, Samstagabend: Der Saal ist bis auf den allerletzten Platz ausverkauft. 2025 Menschen murmeln, warten darauf, dass es endlich anfängt. Das Besondere: Anders als sonst üblich warten hier nicht meist ältere graubehaarte Herrschaften auf ein klassisches Konzert. Die Anwesenden sind allesamt Pfadfinder aus ganz Deutschland, die sich zum größten internen Singewettstreit des Landes versammelt haben. Und die MOPO war auch dabei.

Auf unserer Empore haben es sich ein paar Mädels zwischen zehn und achtzehn Jahren gemütlich gemacht. Sie tragen die gleichen Halstücher, dazu blaue Pfadfinderhemden, teilen sich Süßigkeiten. Die meisten haben ihre Wanderschuhe bereits ausgezogen. Offenbar eine gemeinsame Gruppe.

„Jens, ich will ein Kind von dir!“, hat eine auf einen Papierflieger geschrieben, der später runter in den Saal fliegen soll. Die Flugkurve wird genau besprochen, schließlich soll der künftige Kindspapa die (wohl eher witzig gemeinte) Nachricht auch erhalten, wenn er später seinen Auftritt hat.

Insgesamt 30 Gruppen aus ganz Deutschland treten in verschiedenen Kategorien gegeneinander an. Wobei „gegeneinander“ hier eher in Anführungszeichen gesetzt werden müsste. Es geht offenbar mehr um das Gemeinschaftsgefühl. Jeder Beitrag wird heftig bejubelt. Dass viel Mühe hinter den Auftritten steckt, merkt man schnell. Wochen-, Monatelang wurde geprobt.

Klassische Fahrtenlieder sind dabei, viele Instrumente werden gespielt, mehrstimmig gesungen, aber auch modernere Sachen dargeboten wie „Dickes B“ von den Berliner Dancehall-Rappern „Seeed“.

Zum 42. Mal schon treffen sich die Pfadfinder in Hamburg zum musikalischen Wettstreit. Jahrelang kamen sie aus ganz Deutschland immer ins Audimax auf dem Uni-Gelände gepilgert.

Schon damals wirkte es immer witzig anachronistisch, wenn sie mit ihren Trachten und Rucksäcken das Grindelviertel bevölkerten. Das erste Treffen in der ehrwürdigen Laeiszhalle ist dann aber noch mal deutlich spezieller.

„Das ist schon ein echt spannender Kontrast gewesen“, sagt „Pyro“ (26) von der „Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands“ (CPD), einer der Organisatoren. Aber alles hätte super funktioniert, sie würden kommendes Jahr gerne wiederkommen! Und wie kamen sie auf den speziellen Ort? Pyro lacht: „Wir wären auch gerne in die Elbphilharmonie gegangen, die hatten komischerweise keinen Termin für uns.“

Etwas gewöhnungsbedürftig dürfte es für die Pfadfinder schon gewesen sein, dass livrierte Angestellte sie nur ein- und ausließen, wenn es gerade Applaus gab. Und die Laeiszhallen-Betreiber haben es vermutlich auch noch nie erlebt, dass es überall im Saal plötzlich nach Rauch roch wegen der Zeltbahnen und Pfadi-Klamotten. Und dass zwischendurch mitgesungen wurde, aus 2.000 Kehlen Lieder in den Saal schallten. Und dass mehrfach „Gesuche“ per Papierflieger durch den Raum flogen.

Aber: So lebendig dürfte es hier schon lange nicht mehr zugegangen sein! Wenn’s nach der MOPO geht: Gerne nächstes Jahr wieder am selben Ort!

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