Zoff um Elphi-Dirigent: Das sagt der NDR zu Hengelbrocks Vorwürfen

Veröffentlicht

Schon seit sechs Jahren ist Thomas Hengelbrock Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Eigentlich sollte er seinen Dienst noch bis Sommer 2019 tun – doch wie der 59-Jährige am Wochenende bestätigte, will er bereits Mitte 2018 gehen. Die Trennung erfolgt nicht im Guten: Hengelbrock zeigte sich entrüstet ob des Verhaltens seines Noch-Arbeitgebers. Der NDR kontert nun.

Hengelbrock schmeißt hin. Die Begründung: Das Vorgehen des NDR, „unmittelbar nach der öffentlichen Ankündigung dieses Schrittes meinen Nachfolger zu benennen und noch in derselben Woche, in der ich zehn Konzerte zu dirigieren hatte, vorzustellen“, hat den Stardirigenten offenbar ziemlich verletzt. Dies sei „vollkommen unüblich und hat nach außen einen ganz falschen Zungenschlag in diese Sache gebracht“, so Hengelbrock zur „Welt am Sonntag“.

Auch zur Kritik an seiner Programmauswahl und an der Qualität des Orchesters äußerte sich der Dirigent: „Es gab natürlich Situationen, in denen ich mich sehr weit von dem entfernen musste, was ich mir eigentlich vorgestellt hatte. Aber das gab es vonseiten des Orchesters selbstverständlich auch.“ Er selbst habe nicht alle seine Ziele mit dem Klangkörper erreicht. „Ich hatte gehofft, dass das Orchester eine stärkere Eigeninitiative entwickelt. Dass die Musiker regelmäßig in kleinen Gruppen proben und arbeiten, dass die Kammermusik und die Kammerorchesterarbeit weiter gedeihen und ins Orchester ausstrahlen.“ Auch seine Spielstätte, die Elbphilharmonie, sei nicht immer einfach. „Die akustischen Verhältnisse in der Elbphilharmonie sind zwar insgesamt großartig, aber je nach Repertoire bisweilen auch kompliziert.“

Mitte Juni hatte der NDR bekanntgegeben, dass Hengelbrock seinen Posten 2019 verlässt. Er möchte sich neuen künstlerischen Herausforderungen stellen, hieß es. Wenige Tage später hatte der NDR dann den amerikanischen Dirigenten Alan Gilbert als Nachfolger vorgestellt.

Nun der Paukenschlag in der Elbphilharmonie: Hengelbrock will bereits Mitte 2018 gehen – und das NDR Orchester im Streit verlassen.

Am Sonntag äußerte sich der NDR dazu: „Als Residenzorchester müssen wir unsere Proben- und Konzerttermine in der Elbphilharmonie frühzeitig buchen“, sagte Achim Dobschall, Leiter des Bereichs Orchester, Chor und Konzerte. „Auch um für das Orchester eine künstlerische Arbeit auf hohem Niveau gewährleisten zu können, war es notwendig, die Planung für die Saison 2019/20 bereits bis zum Sommer dieses Jahres mit dem neuen Chefdirigenten festzulegen“, so Dobschall. Deshalb sei die Berufung von Alan Gilbert bereits Ende Juni erfolgt. 

Dobschall lobt die Eröffnungssaison des neuen Elphi-Saales unter Hengelbrock: „Das NDR Elbphilharmonie Orchester hat unter seinem Chefdirigenten Großartiges geleistet. Darüber hinaus hat es unter seinem Ersten Gastdirigenten Krzysztof Urbanski und internationalen Pultstars wie Esa Pekka Salonen, Christoph Eschenbach, Marek Janowski oder Paavo Järvi mit 94 Konzerten im ersten Jahr für zahlreiche Höhepunkte gesorgt.“

An Stelle von Thomas Hengelbrock wird nun in der kommenden Saison der designierte Chefdirigent Alan Gilbert bereits zwei wichtige Konzertprojekte leiten. Neben ihm wird Krzysztof Urbanski mit mehreren Programmen die Spielzeit prägen. Hengelbrock wollte sich zu seiner eigenen beruflichen Zukunft aus Rücksicht auf seine zukünftigen künstlerischen Partner noch nicht äußern. „Im Sommer 2018 kann ich mehr dazu sagen“, so der Dirigent zur „Welt am Sonntag“.